Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 251 (sequence 3)
- Language
- German
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Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. 251 aufgehäuftcu Massen in wohlgefügtc Schichten, oder mit anderen Worten, daß eine wiffcnschastli'che Unterlage nöthig werde, ״um den Weg zu bahnen, der jeden Anstoß, jedes Straucheln entferne von meinem Volke!" Das was Geist und Gedanken geschaffen und in einer langen Reihe von Jahrhunderten hindurch mit Hülfe des Griffels zu etwas Thatsächlichcm, Bestehendem umgewandclt haben, woran Glaube und Gewohnheit, Sitten und Bräuche, freudige und herbe Erinnerungen so mancherlei sich knüpfteir, woraus Zustände und Verhältnisse hcrvorgingcn, die auf Leben und Beschäftigung gar gewaltigen Einfluß übten, — das Alles ist zu sehr Eigenthum des Individuums geworden, als daß cs sich hiuwegbanncn ließe, gleichsam wäre cs nie dagcwcscn. Willkürliche Gemeinspräche von ״sich überlebt haben", von einem ״verworrenen Chaos unfruchtbarer Gegenstände", und dergleichen Redensarten, werden allerdings die Begnemlichkeitslicbe reizen, die Neuerungssucht anzichen, aber ein tieferer Sinn legt darauf noch kein Gewicht; er erkennt selbst in dem scheinbar Abgeschiedenen noch den Lebensfunken und muhet sich zur Hellen Flamme ihn wieder anzufachen. Wissenschaft ist Leben! — Sobald also jene ״dürren Gebcine belebt wurden", sobald gezeigt tverdcn konnte, daß auch in jenen Schriften, denen nian alle Aufmerksamkeit entziehen wollte, der Geist der Wissenschaft wehe, —daß sie nicht nur zur gründlichen Forschung im Gebiete der eigenen Religion und Geschichte, sondern auch als Ergänzung vieles Wissenswürdigen in Sprache, Sitten und Leben der Griechen und Römer und anderer alter Völker von erheblichem Nutzen seien; — da war die Existenz des talmudisch-räbbinischcn Schristenthums gerettet. Eine neue Aera sollte vielmehr für dessen Studium nun erblühen, wie ein Phönix sollte es aus seiner Asche sich wieder erheben! Ein Element war cs insbesondere, das eben in Folge der hyperdialcktischcn Manier, mit welcher das talmudischc Studium in den letzteren Jahrhunderten fast ausschließlich betrieben ward, (vgl. meinen ersten Brief im Febrnarhest L. I.) ganz in den Hintergrund gedrängt, jetzt wieder hervor trat und zuerst dazu beitrug Forschbcgier und Wissensdrang auf diesem Gebiete aufs Neue zu beleben. Es ist Ihnen und jedem Kenner der Geschichte der altjüdischen Literatur wohlbekannt, aus welchen mannichfachcn Sprachbcstandtheilen die talmudischen und midraschischen Schriften zusammengesetzt find. Das Judenthum tvollte auf das Leben 19*