Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 250 (sequence 2)
- Language
- German
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250 Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. stndimsi'ch befleißigte, auch natürlich an den Muster-Schriftstellern anderer Nationen immer mehr Geschmack fand,!vard ihr der Verfall erst recht sichtbar, worein das talmudische Studium gerathen war, das bisher fast als Hauptbeschäftigung der aus Rcligionskenntniß Anspruch machenden jungen Leute gegolten hatte. Die frühere Opposition gegen alle positive Religiosität nahm nun einen andern Zielpunkt. Jetzt war es nicht mehr das religiöse Element überhaupt, das man nicht anerkennen wollte, riicht dem Judenthume an sich erklärte man den Krieg; dagegen sollten blos die nachbiblischen Neligionsschriften und Sanimelwerke, einige hervorragende Produkte der spanisch-arabischen Schule etwa ausgenommen, sämmtlich beseitigt werden.— Und konnte es auch wohl unter den damaligen Verhältnissen anders kommen? Die Art und Werse, wie die weitschichtigen talmudischen Werke mit ihren Commentarien u. s. w., besonders im letzten Jahrhundert erfaßt und exponirt wurden, ließ auf den ersten Blick kaum ein für Cultur, Wissenschaft und religiösen Fortschritt bedeutsames oder nutzbringendes Moment darin si'nden. Diejenigen Bestandtheile jener reichhaltigen Schriften, die auf höhere wissenschaftliche Forschung hinwiesen, waren bei der zeitherigcn Methode ganz vernachlässigt und übergangen worden, dahingegen trieb man solche Disckplinen und Themate gewöhnlich mit der Jugend, für welche Letztere bei zunehmender allgcmeiner Bildung selten einen Sinn mehr hatte, zumal ihr die besonderen Vor- und Fachkenntnisse (z. B. juristische, medicinische, technische) abgingcn, welche zum richtigen Verständniß jener an sich zumeist gedankenreichen und tiefeingehenden Diskussionen erforderlich sind. Kam hierzu noch ohnehin, daß die sogenannten Weltleüte über die durch Autorität der Tradition besonders so sehr vervielfältigten Ceremouialgesctze sich beklagten, was Wunder also, daß man gern die ganze talmudische Literatur als leeren Ballast über Bord geworfen hätte?! — Wie sollte aber sodann jene riesige Kluft wieder ausgefüllt werden, welche ein Zeitraum von 25ÜO Jahren zwischen dem biblischen Judenthum und dem -des 19. Jahrhunderts hatte entstehen lassen? .— Dies übersah mau meist in oberflächlichem Dünkel oder wollte es übersehen. Am Wenigsten aber dachte man daran, daß ein so gewaltiger Riß ja noch vergrößert werde, wenn man das, was man als Schutt ausah, hinwegräumt. Man kam nicht sogleich zu dem Bewußtsein, daß es hier blos eines umsichtigen Ordneus bedürfe, blos einer Zurechtlegung der rücksichtslos untereinander