Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 6 · p. 228

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 6
Article
Briefe aus Prag
Date
1853-01-01
Page
228 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829150-2829157-2852387--01043-2852423
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

228 Briefe aus Prag. Glaube, bei deu zu ihm sich Bekennenden erhalten, sie verlangt, daß die Jugend in der väterlichen Religion unterrichtet werde, macht diesen Uuterricht sowohl an. niederen als an höheren Schulanstatten zur Pflicht und es müssen die Schüler hierüber ein Zeugniß beibringen. In Prag müssen die Kinder, die nicht die Schule besuchen, sich jedes halbe Jahr zur Prüfung stellen,' und sie werden hier aus dem Religionsunterricht vernommen. Die Absichten der Regierung sind also unverkennbar die׳ wohlwollendsten; aber wie wird ihnen entsprochen? Die Regierung will Religiosität befördern und die Jugend für sie begeistern; die Unterrichts- Methode erzielt gerade bas^Gegentheil, macht die Jugend der religiösen Belehrung ganz abwendig! Es gibt, wie jeder aufrichtige jüdische Schulmann eingestehen wird, nur einen Ausweg: der Unterricht der h. Schrift in der Ursprache muß eingeführt werden. Ich schweige davon, daß nach dem innersten Gefühle des Juden dieses Buch das heiligste Neligionsbuch ist: schon dessen Anblick erfüllt ihn, da es das theuerste Erbtheil ist, mit Ehrfurcht; aber es bieten sich auch hier die meisten Anknüpfungspunkte, um über Göttliches und Erhabenes zu sprechen und das Kind mit den höchsten Pflichten gegen Gott und Menschen bekannt zu machen. Weg mit Bne-Zion und anderen sormülirten Religionsbüchern, die freilich dem Lehrer sein Amt ziemlich leicht machen, den Religionsunterricht aber zum todten und ermüdenden Formwesen herabwürdigen: sie mögen mitunter als Leitfaden dienen, das eigentliche Religionsbuch aber sei die h. Schrift, über sie. soll der Lehrer katechtsiren und sich in diesem Vortrage als Pädagog und Katechet bewähren. Und wem anders kommt es hier zu, die Initiative zu ergreifen und auf einen solchen Unterricht zu dringen, als dem Rabbiner? Das im vor. Sommersemester erlassene Prüfungsprogramm zählt die Gegenstände auf, die an der Schule gelehrt werden; hebräischer Sprach- und Bibelunterricht wird vermißt; die vierte Klasse hat täglich zwei Stunden Unterricht im Zeichnen, auf das väterliche Religionsgut wird Nichts verwendet. Wie werden diese Schüler für den Glauben vorbereitet? Laßt sie mit dem nur in der Schule erworbenen Unterricht in das Gotteshaus treten: es ist für sie tobt A die Gebete werden in hebräischer Sprache verrichtet, dem Kinde werden in der Schule selbst die hebräischen Buchstaben nicht beigebracht, es kann die Gebete nicht lesen: wohin soll es sich wenden, welchen Ausdruck für das religiöse Bedürfniß finden? Diese Mängel wurden schon lange gefühlt und man arbeitete in der That vor einigen-Fahren von einer Seite dahin, den Unterricht'in der heiligen Schrift und Sprüche einzusühren. Man suchte aber von einer andern Seite-das Unternehmen zu vereiteln, weil, wie man vor-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.