Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Briefe aus Prag
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 227 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Briese aus Prag. %%1 sens zusagend sei, muß diesen Briefen fern liegen; aber dieses kann auch hier mit Gewißheit ausgesprochen werden, daß Religion kein Memorirwerk, der Unterricht in diesem Gegenstände durchaus nicht aus ein Auswendiglernen, ein wörtliches Her- und Absagen Hinzielen darf. Religion ist nicht Sache des Gedächtnisses, sondern des Herzens: sie willnur entwickeln was im Gemüthe des Kindes schlummert und es ihm zur klaren Anschauung bringen; verweiset man sie aus ihrem eigenLlichen Gebiete und bannt sie in das Reich des Gedächtnisses, wird sie in den Kreis gewisser Wortformeln gedrängt, die das Kind auswendig zu lernen hat, so kann mit Sicherheit darauf gerechnet werden, daß es nur mit dem tiefsten Widerwillen an diesen Unterricht gehen und' die Belehrung sich in der kürzesten Zeit aus seinem Gedächtniß spurlos verwischen wird. Das Herz des Kindes soll sprechen, nicht sein Mund; das Herz des Kindes, in der von ihm selbst gewählten Sprache: und der ist der wahrhafte Religionslehrer der Jugend, der es versteht, das Herz des Kindes in seiner Sprache sprechen zu lassen, das Herz des Kindes zu öffnen und ihm seine eigenen Töne zu entlocken. Diese Töne, durch den Vortrag des Lehrers hervorgerusen, Hallen lange nach und werden auch, nachdem der Schüler die Schule verlassen hat, noch durch das Leben gehört. Beer hat diese Memorirmethode beim Religionsunterricht, die an unserer Schule stereotyp geworden ast, eingesührt: und welcher Erfolg ist zuhoffen, wenn das Kind mit thränenden Augen die ״Religion" auswendig lernt, unter tausend Verwünschungen das dictirte oder gedruckte Religionsbuch in die Hand nimmt und seinem Munde der häufige Ausruf entfährt: ״die verfluchte Religion!" Welche herbe Klage erhebt sich gegen den unnützen Zeitverlust, der durch diese verkehrte Methode veranlaßt wird; aber die Klage gewinnt noch an Bitterkeit, bedenkt man, wie die Liebe für Religionsbelehrung im Kinde erstickt wird und zu dem Verluste an Zeit sich noch ein höherer, weit überragender Verlust gesellt! Und nicht minder betrübend ist, daß durch solche Unterrichtsweise die wohlmeinendsten Maßregeln der Regierung illusorisch werden. Ihr Correspondent stehet״ wie Ihnen bekannt ist, aus einem Gebiete das außerhalb des Bereiches einer Gunsterwerbung von oben liegt: er hofft und wünscht nichts für sich und eine Gunstbezeugung würde ihm nach seiner Stellung gar nicht zu Statten kommen; ihn leitet nur ein Gedanke: die Verhältnisse in dem Lichte der Wahrheit zu beleuchten und hierdurch vielleicht manchen Anstoß zu einer bessern Gestaltung zu geben. Die österreichische Regierung will nicht den Verfall der jüd. Eonfession, sie sieht nicht gleichgültig zu, hegt nicht den Wunsch einer innern Auflösung des Judenthums; sie wacht vielmehr darüber, daß der jüdische 17*