Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Briefe aus Prag
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 226 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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LL6 Briefe aus Prag. der Regierung begünstigten Schule und den Privatschulen entstehen werdet hätte wohl leicht geahnt werden können, und ebenso wenig bedurfte es des Seherblickes, um vorauszusägen, wohin sich der Sieg neigen werde. Der etwa im I. 1812 an die Schule berufene Peter Beer brachte diesen Confliet zum Ausbruch'. P. Beer war ein geschworner Feind des .bestehenden positiven JudenthuMs: seine an sich werthlosen und nun der Vergessenheit verfallenen Schriften zeigen von wilder fanatischer Wuth gegen dieses Judenthum, die auch häufig in seinem Vortrage hervorbrach. Die Religionsvorsteher — in Prag Oberjuristen benannt — führten Klage gegen ihn, aber ohne Erfolg. Wir uberheben uns, da jene Zeit weit zurückliegt, der weitem Ausführung jener Vorgänge. Es scheint, daß die damaligen Neligionsvertreter das geeignete Mittel eine solche schädliche Wirksamkeit zu paralysiren übersehen haben: einen unmittelbaren Einfluß aus den Religionsunterricht zu gewinnen, mußte unter solchen Umständen angestrebt werden- und die Gelegenheit hierzu lag ganz nahe. Der innerste Nerv des jüdischen Religionsunterrichts, die h. Schrift in der Sprache, war aus dem obliguten Schulplan ausgeschlossen, und zwar nicht etwa auf Befehl von oben, sondern weil diese Belehrung nicht angeregt worden war. Hätten die Oberjuristen ernstlich darauf gedrungen, daß die Schrift in der Urspräche gelehrt werde, die Regierung wäre unbezweifelt hierauf eingegangen und die Controle hierüber wäre wohl in die Hände der sie mit vollem Rechte beanspruchenden Neligionsvertreter gelegt worden. Aber hier stand wieder der Einfluß eines feindlichen Elements des Gemeinde- Vorstandes gegenüber: die zwiespältige׳ Stellung, die religiöse und politische Gemeindevertretung gegen einander eingenommen hatten, ließ Besseres nicht aufkommen. Kehren wir zu dem in der Schule ertheilten Religionsunterricht zurück, so dürste wohl die Behauptung überraschen, daß P. Beer's Lehren kaum schädlich eingewirkt. Sie waren mit un-gemeiner Härte und Haß ertheilt, enthielten zu viel Feindliches gegen das, was die Kinder außerhalb der Schule von Eltern und Lehrern vernahmen, als daß sie einen wirklichen Eindruck auf die jugendlichen Gemüther Machen konnten. Zudem waren diese durch den allgemeinen Haß, der auf P. Beer lastete, schon von vorn herein zu sehr gegen ihn eingenommen, als daß sie sich mit Liebe hingegeben hätten: und wie will ein׳ Lehrer, und vorzüglich der Religionslehrer, ohne Liebe auf das Gemüth wirken! Aber ein anderer Uebelstand trat hervor > der bis aus die neueste Zeit nicht beseitigt wurde. Die Untersuchung, ob die zumeist auf Memoriren, auf Auswendiglernen beruhende Unterrichtsmethode von Nutzen, der Entwickelung der menschlichen Fähigkeiten und der Förderung des Wis-