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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 6 · p. 225

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 6
Article
Briefe aus Prag
Date
1853-01-01
Page
225 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Briefe aus $rag♦' 225 Briefe aus Prag. VI. Mein voriger Brief deutete die Notwendigkeit des wenigstens mittelbaren Einwirkens der Repräsentanz auf die Cultusangelegenheiten an; ich wende mich nun zu der Schule, dem andern wesentlichen Theile, auf den ein Cultusvorstand seine vorzügliche Aufmerksamkeit richten muß: und wie dringend ergehet hier an die Repräsentanz die Ausforderung, daß sie im Verein mit dem Rabbiner für die heiligsten Interessen in die Schranken trete, oder mindestens ihn hierzu veranlasse und chres bereitwilligen Entgegenkommens und Beförderns vergewissere! — Auch auf diesem Gebiete ist in der Neuzeit für uns ein Wendepunkt eingetreten, der, wenn richtig erfaßt, einen heilsamen Umschwung herbeiführen und der Jugend eine Lebensqmlle öffnen wird, die ihr bisher verschlossen war und ihr fast zu versiegen drohete. Welche Mahnung an Rabbiner und Repräsentanz, eine lebendige Thätigkeit für Hebung des religiösen Jugendunterrichts zu entwickeln! — Ein eingehenderer Blick aus unsere Schule und unser Schulwesen wird die Bedeutsamkeit dieser Aufgabe ganz vergegenwärtigen. Die israelitische Schule zu Prag wurde unter Joseph II. gegründet, und zählt nun etwa 80 Jahre seit ihrem Entstehen. Daß sie nach dem zu jener Zeit bei unseren Vorfahren herrschenden Geist als eine Bedrohung des Glaubens, als ein Versuch die alten Grundmauern zu untergraben betrachtet wurde, darf nicht befremden; um so betrübender aber ist, daß diese Furcht mittelbar gerechtfertigt wurde, die Schule durch die ganze Zeit ihres Bestehens nichts zur Förderung des religiösen Sinnes bei der Jugend beigetragen hat. Wem die eigentliche Schuld beizumessen sei? Wir wollen offen gestehen, ein bedeutender Theil kommt auf Rechnung der kurzsichtigen' Frömmigkeit unserer Väter. Die Schule wurde mit ungünstigem Auge betrachtet, sie erhielt sich nur durch den Schutz der Negierung: ihre gedrückte Lage bezeichnet ein Schreiben ihres ersten Directors M. Wiener an M. Mendelssohns. Das eigentlich religiöse Element in die Schule zu bringen war man aus Seite der Frommen nicht bedacht; der Religionsunterricht sollte vielmehr außerhalb der Schule ertheilt werden, die Kinder wie früher die Privatlehrzimmer (die s. g. חדרים) besuchen. Daß bald ein Conflict zwischen der von *) Vgl» Briefwechsel Mendelssohns (bekannt u. d. Mel אגדות ר&״ד) zu Ende. Frankel, Monatsschrift II- 17

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