Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Briefe aus Prag
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 189 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Briese aus Prag. 189 nicht von vom herein Redner gefunden werden, die allen Anforderungen genügen : ein großer Theil des Publikums stellt nur bescheidene Forderungen und wird, ertönen auch nicht Donnerstimmen, sich mit leiseren Klängen befreunden. Der Prager ist in seinen Ansprüchen bescheiden; spricht Gemüthlichkeit zu seinem Herzen, so suhlt er sich befriedigt. Und haben wir nicht ein schlagendes Beispiel von der Nachsicht unseres Publikums in einem Manne, der sich durch sie von schwachem Anfang zum gediegenen beliebten Redner heranbildete? Also nur begonnen, und die Gotteshäuser werden bald in den hier lebenden'Nabbinatscandidaten treffliche Redner besitzen, deren Wort die jetzt entfremdeten Besucher wieder Hereinrusen wird. Unsere׳ Synagogen hatten bisher säst eine unabhängige Stellung: die Stimme ihrer Vorsteher war entscheidend; sie befanden sich mit dem Gemeindevorstande, der nach der frühem Lage der Juden eigentlich nur eine politische Behörde bildete, in geringer Berührung; und in ritueller Hinsicht da ging in der frommen alten Zeit Alles seinen festgebahnten Weg und es bedurfte daher auch der Jntervenirung des Rabbiners nur in sehr seltenen. Fällen. Die Wahl der Männer, die sich jetzt an der Spitze der Synagogen befinden — Synagogenvorsteher — ist eine sehr glückliche; es kommt ihnen von allen Seiten Achtung und Vertrauen entgegen. Ein unmittelbares Eingreifen der Repräsentanz würde eine ungemeine Störung der Synagogenverhältnisse, eine Dissonanz Hervorrufen, die die Gemeinde aufs ׳Tiefste erschütterte. Auch muß sich die Repräsentanz nach ihrer jetzigen Zusammensetzung, die den Neligionsvorsteher, ganz ausschließt, selbst für mittelbare Maßnahmen von Cültusanordnungen für inkompetent erklären : und doch bildet sie den Cultusvorstand! Der tiefere Einblick in die Bedürfnisse einer Religionsgemeinde lehrt, daß der Repräsentanz ein wichtiges Element abgeht;, je länger sie ansteht,. es zu vervollständigen, um so fühlbarer werden sich die, Folgen machen und bald wird die Repräsentanz das Schicksal des alten Vorstandes theilen: man wird in ihr das Wesen, die eigentliche Vertretung vermissen. Es bleibt eine große Lücke auszufüllen. Das früher erwähnte Decret der Kreisregierung hat zwar ebenfalls nur eine weltliche Vertretung im Auge, allein die Negierung, welche nach dem in Oesterreich waltenden Princip die Synagoge anerkennt und deren religiöse Interessen gesichert und gefördert sehen will, wird unbezweifelt die Aufnahme des Rabbiners in die Repräsentanz gern, bestätigen. Durch den Rabbiner wird nun in diesem Vorstand das eigentlich Religiöse repräsentirt sein und durch ihn die Repräsentanz vermittelnd, einwirken können. Dem Zuspruche und der Aufforderung des' Rabbiners werden die Synagogenvorsteher das Ohr nicht abwenden