Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Briefe aus Prag
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 188 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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188 Briefe aus Prag. mit dem Rabbiner auf diesen Gebieten ihre Wirksamkeit entwickele, und ich will hier eine kurze Darstellung versuchen. Prag hat muß er einer bedeutenden Anzahl kleiner Synagogen nenn große Synagogen. Von diesen hat eine einen geregelten Ritus. D1\ M. Sachs sunctionirte daselbst durch eine Reihe von Jahren; jetzt ist ■־Dr. I. Kämpf daselbst als Prediger angestellt. Diese Synagoge, früher ״Altschul", seit Einführung des neuen Ritus (etwas unpassend) ״Tempel" genannt, zähltzumal an Sabbaten an denen Predigt ist, viele Besucher. Hingegen gerathen die anderen Synagogen allmälig in Verfall: die eigentliche Zierde des Gotteshauses, die Menge der Eintretenden, wird vermißt. Was nützt es, vom alten Ruhme zehren, wenn er allmälig verschwindet? Was nützt alte Heiligthümer besitzen, denen man fremd und kalt gegenübersteht? Liegt nicht in ihnen für uns ein großer Vorwurf? Tönt nicht aus diesen Hallen die lauteste Anklage wieder, daß ihrem Verfalle gleichgültig zugesehen wird? Freilich die Außenseiten bestehen, und-zeigte sich hier ein Schadenso würden sich Synagogenvorsteher und vielleicht auch die Repräsentanz beeilen, Anstalten zu treffen und Baumeister und Arbeitsleute herbeizurufen: sind doch einige dieser Gotteshäuser vor noch nicht langer Zeit mit vielem Aufwande restaurirt worden! Aber warum säumt man Baumeister herbeizuholen, die das Innere restauriren und auffrischen, die von innen einen Bäu vornehmen, der das Gotteshaus Zusammenhalte? Prag besitzt noch im Allgemeinen ein treffliches.Erbtheil der Väter: einen für das Fromme empfänglichen Sinn. Unsere Gotteshäuser stehen nicht durch die in andern Städten gewöhnliche Profanation des Sabbats, den Betrieb des Handels und der Gewerbe leer, sondern weil in ihnen das eigentliche- Bedürfnis des Gemüths nicht gefunden wird. Das jetzige Geschlecht will erbauende Belehrung, Predigt; dieser Forderung muß das Gotteshaus 'in der Gegenwärt Genüge leisten. Ich schweige von einem geregelten Gottesdienst: man wird die damit verbundenen Geldopsev׳ und daß Viele von dem liebgewordenen alten Ritus, nicht 'lassen wollen , einwenden. Ich will nicht die eingerissene Unordnung und vielfache Entstellung der gottesdienstlichen Würde erwähnen: es bedarf der Zeit und ungemeiner Schonung, um ohne Erbitterung der Gemüther die tief eingewachsenen Uebelstände zü entwurzeln. Hingegen dürste die Einführung der Predigt auf geringen Widerstand stoßen; sie würde vielmehr von den meisten, jetzt freilich nur nominellen Besuchern der Synagogen mit Freuden begrüßt werden. Warum wird gezögert? warum dem Verfalle zugefehen? warum die Scheidewand zwischen.den Alten und Neuen täglich größer gezogen und nicht Anstalt getroffen, daß die Neuen ■־־.g'0tt־j׳.;ehtfrentwerden, daß auch auf sie sich der fromme Geist der Alten ergieße? Werden -auch