Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Briefe aus Prag
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 186 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Briefe aus Prag. erwägt׳ man noch hierzu, daß Manches sich feit Jahren sehr im Argen befand, manche Vermächtnisse in Vergessenheit׳ gerathen, andere ihrer ursprünglichen Bestimmung abhanden gekommen Md, so eröffnet ׳^sich schon hier der Thätigkeit ein ungemein großes Gebiet. Aber dieses Gebiet füllt noch keineswegsden Kreis eines! Eultusvorstandes aus: das Herbeischaffen der Bausteine und Beaufflchtigüng der Arbeiter kann nie Selbstzweck sein wäre auch eine fruchtlose- Anstrengung,, so nicht das Höhere, das. Haus, dessen Errichtung und Erhaltung beabsichtigt würde. Selbst die-Vertretung der-Rechte der Religionsgesellschast nach Außen kann nicht als-das Eigentliche des Religionsvorstandes, angesehen werden: das Innere, das Wesen der Religion, das die Mitglieder einigende und zu einer Religionsgenossenschaft'verbindende Element muß zuerst seine Vertretung finden. Wird aber nicht diese Vertretung im Schoße der Repräsentanz vergebens gesucht? Es muß von einer Seite׳ zu ihrem Lobe nachgesagt werden, daß sie sich-jeder direkten Einmischung in religiöse Angelegenheiten enthält und-׳ diesedem stellvertretenden Rabbiner überläßt; aber taucht nicht manche innere Frage auf,die sie in. ihr! Gebiet ziehen muß? Erheischt nicht, wieweiter erwähnt werden wird, schon jetzt Kultus- und manche Schukangelegenheit ein kräftig es Ein-׳ greifen von Seiten dieser CultusrepräfenLänz? In ihrer jetzigen-Zufammensetzung muß sie sich hierzu ineompetenL erklären und über einewichtige- Religionsangelegenheit wegsehen: aber warumnahmsienicht auch! das religiöse Element in ihre Mitte-auf? — Sprechen wir es offem aus ,, man kann sich kaum des- Erstaunens enthalten, warum in dieser Repräsentanz nicht der stellvertretende Rabbiner Prags Sitz und Stimme habe?! Von den rein Materiellen- Angelegenheiten wM er von selbst sich fern Halten; hingegen werden die höheren rollgiösen Interessen in ihm eine lebendige Vertretung finden und durch kräftige Unterstützung der Repräsentanz! gewahrt' und - befördert werdem Wir sind׳ wahrlichaus dem besten׳ Weg> die: kaum überwundenen Uebelstände, diegegenseitige feindliche Stellung -es Rabbiners und Vorstandes und das. Streben des Letztem, den Erstem zum Subordinirten zu machen, von Neuem in* Leben zu rufen. Sind etwa diese Erinnerungen mit ihren Folgen schon ganz dem Gedächtnisse entschwunden?׳. Haben fie nicht brennende, noch heute an dem Mark der Gemeinde nagende Wunden zurückgelassen?׳ Eine blos materielle Vertretung ist! in Staaten, wo Inden sich der Gleichberechtigung erfreuen, eine Herabwürdigung. Ein Cuttusvorftand׳ hat eine ganz andere Aufgabe,.! als hlos eine Oierrechnungs- und׳ Re-.' partitionsbehörde zu bilden. Das Göttliche will nicht in Ziffern: und Zahlen, sondern im regen, das׳ Göttliche bewerkstelligenden und erhal- Lenden Geist vertreten fein. Und ist auch dem. Rabbiner anheimgegeben,