Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Briefe aus Prag
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 184 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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184 Briefe aus Prag. es galt mm nicht mehr, die Gemeinde nach ihren politischen Rechten oder vielmehr nach dem ihr angethanen politischen Unrecht zu vertreten; die israelitische Gemeinde zu Prag bildete von da ab ׳ausschließliche nur eine Religionsgemeinde, der Vorstand einen Religionsvorstand. Dieses wurde auch von dem damaligen, um die Gemeinde in vieler Hinsicht verdienten Vorsteher M. I. Landau erkannt und er erließ zu Ende des Jahres 1850 einen Ausruf in allen Synagogen , eine Commission zu wählen, welche für die Israeliten Prags eine Cultusordnung, d. il ein Statut, nach welchem die Cultusangelegenheiten der Gemeinde geleitet werden sollen, zu entwerfen. Die Commission vollendete ihre Aufgabe; Landau konnte sich aber mit dem -Entwurf nicht befreunden und es wurde in einer Sitzung am L. Juni 1851 beschlossen, eine Repräsentanz ins Leben zu rufen, die eine Cultusordnung entwerfen und provisorisch die Cultusangelegenheiten der Gemeinde leiten soll. Diese Repräsentanz, welche aus achtzehn Mitgliedern besteht, wurde von der hohen Kreisregierung bestätigt und es wurde ihr Wirküngskreis in folgendem Deerete bestimmt. ״Die Repräsentanz ist berufen, die Cultusgemeinde in Ausübung ihrer Rechte und Pflichten zu vertreten, alle Gemeindeangelegenheiten in Berathung zu ziehen,׳ darüber bindende Beschlüsse zu. fassen und siein Vollzug zu bringen. Die Repräsentanz sorgt auch für die Mittel zur Erhaltung der Gemeindeanstalten und Bestreitung der Gemeindeaüslagen.^ ׳ Es muß mit wahrer Genugthuung ausgesprochen werden, daß mit dem Entstehen dieser Repräsentanz ein neues Leben in unserer Gemeinde erwachte. . Eine warme Theilnahme an den Angelegenheiten der Gemeinde gibt sich kund; es herrscht nicht mehr ein Dunkel, ein mysteriöses Geheimhalten über die Verwaltung: die Repräsentanz r geht frei und offen zu Werke, sie, hat nichts zu verbergen, jeder ihrer Beschlüsse trägt das Zeichen des׳ wohlwollendsten Eifers und der ausrichtigsten, von jedem Sonderinteresse fernen Hingebung an das Allgemeine an sich. Die Repräsentanz gerirt sich nicht als Vorgesetzte, sondern als leitende ׳Behörde; sie will nicht regieren, sondern das Wohl der Gemeinde vertreten. Und sie hat in der kurzen Zeit ihres Bestehens das erworben, was sonst Vorständen selten zu Th eil wird: allgemeine Ächtung.' Aber es wäre auch die schreiendste Verkennung, wollte man sie der-Repräsentanz verweigern! Die Verwaltung der Angelegenheiten der großen israelitischen Gemeinde Prags bedarf einer großen, mit vielem Zeitauswande verbundenen Anstrengung; und die Repräsentanz, obschon aus Männern, bestehend, deren Berus sie in andere Kreise, ruft, liegt' ihr unverdrossen,, und. ohne Besoldung' ob. Mit vieler Achtung ist den auch in der literarischen Welt bekannte Herr Ernst Wehli als Vorsitzender