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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 5 · p. 182

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 5
Article
Briefe aus Prag
Date
1853-01-01
Page
182 (sequence 3)
Language
German
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182 Briese aus Prag. senszweifel mit der stolzen Antwort ab gefertigt : der vorhandene Fonds von Religiosität und Gelehrsamkeit lasse keine derartige Besorgniß aufkommen. Als ob nicht auch der reichste Fonds sich im Verlaufe der Zeit erschöpfte, als ״ob die Propheten ewig lebten"!- Und wie viel trugen nicht die durch die Vacanzen entstandenen Parteiungen mit ihren kleinlichen, oft verächtlichen Zänkereien zum Verfalle des religiösen Le-- bens^bei! Zwischen den Wortführern, den für den Rabbiner eingeschobenen und ihn vertretenden Gelehrten schwang die Zwietracht ihre Fackel, die Rivalität erweckte Zerwürfnisse, Bewahrer des Glaubens vergaßen sie, daß der Glaube nur bewahrt werde, wenn dessen Vertreter-sich gegenseitig achten und sich gemeinschaftlich zu seiner Erhaltung verbinden. Und wahrlich, mehr noch als der Fortgang der Zeit brachten die fortgesetzten gehässigen Reibungen Glauben und Wissen in Mißcredit. Wenn dieses die Früchte des gelehrten Studiums, wenn die Handhaber sich, in solcher Weise entwürdigen: welche Ehrfurcht soll ihnen gezollt, welche Belehrung aus ihrem Munde angenommen werden? Das Gemeindeleben zerfiel also, weil es an einem Mittelpunkte, an dem Rabbiner, den man allmalig als über den Parteien stehend betrachtete, gebrach; mochte auch ohne, ihn die Gelehrsamkeit vertreten sein, allein es ,war der Gedanke eines religiösen Oberhauptes schon seit lange zur Geltung gekommen, und es würde hierdurch wenigstens das Gehässige der Streitigkeiten innerhalb des Schoßes der zu demselben Prineip sich bekennenden Partei niedergehalLen worden sein. Wie falsch aber auch das Vertrauen war, daß ohne concentrirende Vertretung die Wissenschaft sich sortpflanzen werde, hat die Zeit genügend gelehrt; und würden wahrscheinlich auch Rabbiner ^.größ-erer -Gemeinden nicht viel vermochthaben, doch dieser sähe Absturz-, dieser unvermittelte Uebergang wäreschwerlich erfolgt. So hat die Kurzsichtigkeit der Frommen Die bedauerlichsten Früchte getragen; aber wie getäuscht würden auch die Gebildeten, so sie noch am Leben wären, sich in ihrer vermeinten Weitsichtigkeit finden l Auslösung war damals bei den Wenigsten das- Losungswort;.-sie wollten nur dem Bildungselement ebenfalls Eingang verschaffen, es mit dem religiösen Moment so vereinigen, daß das jüdische Leben von beiden Potenzen getragen werde; aber welche Gestaltung hat dieses Ln den zerrüLLeten, seit dem Aussterben der Rabbiner zerfallenen größeren Gemeinden angenommen! ׳ Rollen wir den Vorhang ausi so erblicken wir hier das eigentliche- Bild Prags in seiner Zerfahrenheit, in dem allmäligen Auseinandergehen seiner höchsten und. heiligsten Interessen, in der in völlige Entkrästung überzugehen drohenden Erschlaffung, die seit einer Reihe von Zähren das alte Prag zum,alterndem machte! Die neueste Zeit

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