Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 178 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829150-2829156-2852315--00978-2852347- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
178 Bilder aus dem Leben und!Wirken der RaMnen. fromme Gebräuche hüllen : die Welt studirtdie Religion in ihren Bekennern, aus der Treue der Menschen muß, wie sich der Midrasch ausdrückt, die Treue Gottes, die Reinheit ihrer Religion erkannt werden! , Weil aber die Frömmigkeit des Simon ben Schetach eine wahrhafte, erleuchtete war, so. verschmähte, verachtete -er die aus dem Essäismus entsprungene schwärmerische Verwirrung der Begriffe, jede Verblendung des Volkes durch anmaßliche Wündcrthäterci, jede Uebcrhebung des Menschen, als stände er in besonderer, vertraulicher Beziehung mit Gott; und tadelte eine solche Veranlassung an Jedem, stände er auch noch so hoch in den Augen -des Volkes und selbst in seinen Augen. — Zu seinen Zeiten lebte Omas Hamaagal, ein Mann, gleich berühmt durch seine Gesetzeskenntm'ß und Geistesschärfe (wie aus Talmud TacmitL3" hervorgeht), wie durch seine Frömmigkeit; ein Mann, der bei dem Volke als Heiliger verehrt wurde und von dem man behauptete, daß sein Gebet nie unerfüllt bliebe. Einst war eine große Dürre eingetreten. Da sandte man zu Omas, genannt Hamaagal, der Kreisdreher,!veil er einen Kreis um sich zu ziehen pflegte, in welchem er betete und aus dem er nicht wich, bis sein Gebet in Erfüllung ging — das Nähere über dieses Gehcinmiß ist nicht bekannt — daß er um Regen stehe. Er antwortete ihnen: Schaffet die (irdenen) Oefen aus den Höfen weg, daß sie nicht vom Regen erweicht werden.— Welche Anmaßung von der Unfehlbarkeit seines Gebetes! Er stehete, aber es kam kein Regen. Da bildete er einen Kreis, stellte sich hinein und sprach: Herr der Welt! Deine Söhne haben sich an mich -gewindet, der ich wie ein Hausfreund bei Dir geachtet bin; ich schwöre bei Deinem großen Namen, daß ich nicht von dannen weiche, bis Du Dich Deiner Kinder erbarmest! — Welche anmaßliche Sprache eines Sterblichen gegen Gott! — Da begann es zu träufeln. Nicht so, sprach er, meine ich's, sondern einen Regen, der Zisternen, Höhlen und Gräben füllet. Da kam ein gewaltiger Regenstrom. Nicht so,-fuhr er fort, ersteh te ich's, sondern einen freundlichen , frucht - und -fegensrekchmRegen : worauf es nach Ordnung regnete, so daß man vor dem vielen Wasser auf den Tempelberg sich retten mußte. Als dies Simon hörte, ließ er ihm sagen, daß er Werth des Bannes sei, denn besser, meinte, er, es komme eine Dürre, wie zu den Zeiten des Propheten Elias , als daß das Volk durch dergleichen irre und der Name Gottes durch die von Erfolg begleitete Anmaßlichkeit