Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 179 (sequence 19)
- Language
- German
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Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen. 179 entweiHt werde und das Volk in Begriffsverwirrung gcrathe; Mein was will ich beginnenfügte er mit einer freundlichen Wendüng hinzu- Du vergehest Dich gegen Gott und er thut dennoch Deinen Willen, wie ein verzärtelter Sohn sich gegen den Vater Anmaßung erlaubt und dieser ihm dennoch seinen Willen thut. Auch wird (im jerns. Talm. Taanit 66 c. 4 und Mo öd katon 81, 4) tadelnd geäußert, daß sein Gebet unbescheiden gewesen wäre, sowie (babyl. Talmud Berachot 19) daß er den Bann verdient hätte, weil er anmaßlich gegen Gott gesprochen. So sehen wir Hier Simon gegen den Liebling des Volkes und seinen Heiligen, den er selbst seiner Gelehrsamkeit und sonstigen Frömmigkeit halber schätzen mußte, nicht minder kühn aüftreten, als gegen den Tyrannen Jannai. Diese Erzählung aber von dem unfehlbaren Onias, den auch Joseph. (14, 3) nicht genug bewundern und beloben kann, läßt uns einen Blick in die Begriffsverwirrung des Volkes thun, welche ein Product des essäischen Treibens war und noch sehr lange fortwährte. Denn auch die Enkel des Onias galten noch als allgewaltige Fürsprecher Lei Gott, wie (Taanit 23*) erzählt wird. Dieser Glaube des Volkes an die Unfehlbarkeit seiner Bitte brachte dem Onias auch später ein. schreckliches Ende. Denn als nach dem Tode des Jannai und der Salome Alexandra, deren Söhne Hyrcan und Aristobul sich bestritten, und jener mit Hülfe der Araber diesen und seine Priester in dem Tempel belagerte, ergriff die Hyrcan'- sche Partei den Onias, schleppte ihn in's Lager und verlangte, daß er die Priester verstnche, damit ihr der Sieg werde. Onias slehete nach langer Weigerung: Herr der Welt! Diesc-Hicr sind Dein Volk, und die drinnen Deine Priester: mögest Du weder diese gegen jene, noch jene gegen diese erhören. Kaum hörte das Volk dieses, als es erbittert ihn zu Tode steinigte. — Simon aber hielt so lang er lebte und wirkte nach, allen Sekten hin festen Stand. Dem Tyrannen widerstand seine Festigkeit, den feilen sadducäischen Creaturen seine Würde, den frömmelnden Pietisten seine Klarheit. Er strebte weder nach Fürstengunst, noch nach Volksbeifall; erhaben über beide, verfolgte er den Weg einer festen Ueberzeugung, den Weg des Rechts und der Vernunst, den des Glaubens ohne einschläfernde Frömmelei und strebte dahin, daß die Religion und Moral nicht blos Gedanke und Wort, sondern That werde, wie sein ganzes Privat- und öffentliches Leben die personificirte Gerechtigkeit und wahre Fröm- Wigkeit war. Sein Bild müsse auch unserer Zeit vorschweben! 14*