Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 177 (sequence 17)
- Language
- German
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Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen. 177 Bedauern müssen wir aber die gemeinen Geister, die, zu klein, um solche Seelengröße nur zu fassen, sich erkühnen, mit blasirter Vornehmheit auf die Rabbinen heräbznlächeln; bemitleiden die Nachkommen dieser Männer, die keine Ahnung haben von ihren wahrhaft königlichen Ahnen, an deren Beispiel sie sich begeistern, erwärmen, erheben und emporranken sollten. Wenn ein Funkchcn des heiligen Feuers jener Männer in ihren Herzen glühte, wenn ein Tropfen solch edlen Blutes in ihren Adern wallte, wenn ein Theilchen ihres edlen Bewußtseins ihr Herz erhöbe: wahrlich, anders stände es um das Judenthum! Das Judcnthum aber, welches vom Beispiel eines Simon gepredigt wird, ist kein Schein, es ist Wahrheit; ist keine Heuchelei, sondern durchdringende Ehrlichkeit. Er war nicht, wie viele große Männer, die als Gelehrte, Richter, Staatsmänner sich bewundern lassen und im täglichen Leben als kleine Menschen erscheinen; die in der Ferne als glänzende Sterne leuchten und in der Nähe ihre Flecken zeigen. Sern Privatleben war wie sein öffentliches ein Bild der Reinheit und der Gerechtigkeit, und so lehrte er es seinen Schülern. Einst kauften die Schüler des Simon ben Schetach, erzählt Midrasch Nabba, für denselben einen Esel von einem Araber und fanden einen kostbaren Edelstein an dessen Halse hange». Da riefen sie: Rabbi, der Segen Gottes macht reich! (Spr. Sal. 10.) Da erwiderte ihnen Rabbi Simon: Den Esel kaufte ich, nicht den Edelstein; traget ihn dem Araber wieder zurück. Und als sie ihn wieder zurückbrachten, rief der Araber aus: Gepriesen sei der Gott Simon ben Schetach's! d. h. gepriesen sei die Religion, welche Männer wie Simon ben Schetach bildet! So, fügt der Midrasch hinzu, wird aus der Treue der Menschen die Treue Gottes kund, und dies heißt seinen Namen heiligen. So schlicht nun dies erzählt wird und so einfach diese Handlung bei Simon galt: so belehrend ist sie für uns. Wollen wir das Vorurtheil gegen Juden und Judenthum entwaffnen; wollen wir unsre Religion vor den Augen der Welt heben und heiligen; wollen wir bewirken, daß unsrer Religion die verdiente Anerkennung werde: so muß im Juden die Vortrefflichkeit des Judenthums sich kund geben, so muß jüdische Ehrlichkeit und Treue gegen jeden Nebenmenschen für die Schönheit seiner Lehre zeugen. Vergebens werden wir die Tiefen der jüdischen Moral erforschen, vergebens den Glanz unsrer Religion der Welt vorhalten, ihre Herrlichkeit enthüllen; vergebens uns in religiös^ ‘ Frankel, Monatsschrift II. 14