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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 5 · p. 175

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 5
Article
Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
Date
1853-01-01
Page
175 (sequence 15)
Language
German
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Bilder aus dem, Leben nnd Wirken der Rabbinen. links nach zustimmenden Mitgliedern des . hohen Rathes umwandte, vielmehr Alle furchtsam zu Boden blickten, rief er aus: ״Ihr gebet Bedenklichkeiten Raum, wohlan! so komme der Herr der Gedanken und strafe Euch!" Sofort sollen die Richter des Todes geworden sein.— Mag es sich mit letzter Behauptung wie immer verhalten, so geht doch daraus ein ungetrübtes Rechtsgefühl hervor, ein hoher Begriff von der Würde des Richters, vor dem viele Richter der Neuzeit, die mit ihrer systematischen Rechtslehre über die talmudische die Achsel zucken, nicht bestehen würden. Aber so wenig Simon der Furcht eine Gewalt einräumte, so wenig kannte er auch Schonung gegen den liebsten Freund, wenn es sich um Recht und Wahrheit handelte. Als ihm einst Jehuda ben Tabbai versicherte, daß er einen der Lüge überwiesenen Zeugen, welcher Jemanden des Mordes anklagtc, habe hinrichten lassen — und zwar in Abwesenheit des Simon, als nämlich dieser vor Jannai entflohen war, und ben Tabbai ihn vertrat — und damit den Sadducäern offen entgegen getreten wäre, die den falschen Zeugen erst dann tödten, wenn auf ihr Zengniß hin eine Hinrichtung vollzogen worden; betheuerte ihm Simon unumwunden, daß er unschuldiges Blut vergossen habe, da nach der Schrift die Bestrafung nur eintretcn kann, wenn beide Zeugen der Lüge überwiesen sind. Der bescheidene Jehuda beschloß seitdem nie wieder in Abwesenheit des Simon ei» Urtheil zu fällen und fühlte sich von solchen Gewissensfoltern gequält, daß er täglich am Grabe des von ihm Verurtheilten Iveinte und um Vergebung flehete. Wen sollte ein so zartes Gewissen eines Richters nicht rühren? und wer sollte nicht eine Rechtspflege hochachten, die solche Männer als ihre Vertreter aufweist? —Nur einmal mußte Simon um des allgemeinen Wohles willen von der Form des Gesetzes, nach welchem nur eine Hinrichtung an einem Tage vorgenommen werden durfte, abgehen. Ein Schüler des Simon nämlich soll durch einen Traum aufmerksam gemacht, ihn an sein Versprechen gemahnt haben, daß er als Nasi alle Zauberinnen umbringen wolle, daß aber gleichwohl in einem Schlupfwinkel zu Askalon achtzig Zauberinnen und Giftmifcherinnen zum Verderben der Welt ungestraft ihr Unwesen trieben. Hierauf versammelte Simon achtzig seiner Schüler um sich und wußte die Unholde in ihrer Höhle zu überlisten, die er dann an einem Tage, ohne Säumniß, damit nicht etwa ihre Verwandten hinderlich werden könnten, hinrichten ließ. So wird an mehreren Stellen im se-

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