Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 164 (sequence 4)
- Language
- German
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1D Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen. maßlich und warm besonders vorsichtig mit der Todesstrafe, indem sie wo der entfernteste Zweifel rege werden konnte, lieber den Jnculpaten verschonten, ihn der göttlichen Strafe überlassend, und strebten überhaupt durch milde Auslegung des Gesetzes die Todesstrafe möglichst selten zu machen. ') Weil sie streng auf ein nüchternes, dem Geiste der Schrift gemäßes Verständnis des Buchstabens hielten »nd das Gesetz treu wahrten, so waren sie Feinde der allegorischen Auslegung, wo diese eine nachtheilige Consequmz für das Gesetz haben konnte. ^) Gleicherweise erkannten sie die Gefährlichkeit metaphysischer Spekulationen und fürchteten von ihr theils Verwirrung der Gedanken, theils Schwärmerei und MysticisMus, ja sogar Abfall. Sie liebten nüchternen Verstand, der sich an faßlichen Gegenständen übt, und vernünftigen, durchdringenden Glauben, festgehalten durch äußere Form. Obgleich sie nun auch den bedingten Werth der liefern Speculation für hervorragende Geister nicht verkannten, so gestatten sie die Belehrung darin doch nur Einzelnen unter vier Augen, nachdem diese schon einen so hohen Grad der Geisteshöhe erreicht hatten, daß sie selbstständig darin zu forschen im Stande waren, (חכם ומסן מדעתו).— Eine andere Folge ihres StrebeuZ, den Geist des Masaismus in Allem zur Nichtschnur zu nehÄen, und ihres .Hasses gegen fremd artige Institution en war ihr Sinn für Volksfreihekt. Namentlich waren sie erklärte Feinde des absoluten Königthums nach der damaligen Weise, welches, schon in den mosaischen Büchern als eine Nachahmung des Heidenthums gemißbilligt wird. Den Peruschim gegenüber standen zlvei Secten, die Sad d u - cäer und die Essäer oder Essener; jene aus fremden, religionsfeindlichen Elementen.hervorgegangen, als Feindin, diese theils ans schwärmerischer Philosophie, theils aus übertriebenem Hang zur Askese entwickelt, als schädliche Freundin. Beide Secten verdankten ihren, Ursprung dem Einflüsse des Griechenthums. Bei der politischen und moralischen Geltung des durch Alexander den Großen über ganz Vorderasien verbreiteten Griechenthums konnte auch Judäa, besonders seit Antiochuß dem Großen, welcher.Palästina mit seinem syrischen Reiche vereinigte, nicht ganz 1) Vergl. Rasch, zu 2.33, Mos. 23, 7 1t. Synhedrin 33b u. Frankel, ״gerichtlicher Beweis nach mos. talm. Grundsätzen" S. 47 ». 48 tt. Anmerk. Bgl. auch Mischna Synhedr. VIII, 4 und viele andere Stellen. 2) Bgl. MischNa Megilla IV, Ende nnnztn/rusvy . <