Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 163 (sequence 3)
- Language
- German
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Bilder ans dem Leben und Wirken der Rabbinen. 1QP heit gegen feile Unwissenheit, durch Nüchternheit gegen Schwärmerci und Mhsticismus der Netter des traditionellen Judenthums wurde. Um jedoch sein Wirken ins Licht zu setzen, müssen wir die Schilderung seiner und der ihm kurz vorangegangenen Zeit versuchen. Nach den heldcnmüthigen Makkabäerkriegen genoß das jüdische Reich nur eine kurze Zeit unter Simon, dem ersten freien Fürsten (143—137 v. d. übl. Zeitr.), und noch großentheils untcr Johann Hyrcan (137—105), die Früchte derselben in einem nach außen unabhängigen und nach innen friedlichen und glück'- lichen Zustande. Aber schon keimte der Same der Zwietracht und der Störung ruhiger Entwickelung, theils in den Secten, welche sich seit dem Eindringen des Gricchenthums gebildet hatten und immer schroffer schieden, theils in der Herrschsucht, von der die Hasmonäischen Fürsten nach Simon bei aller Anerkennung ihrer Tapferkeit und ihrer ritterlichen Vorzüge nicht frei zu sprechen sind, und welche jenen Secten die Glut politischer Parteiung lieh, die bald zu einem am Innern des Staatskörpers zehrenden Feuer aufloderte. Es bestauden damals, wie bekannt, dreierlei Richtungen km Judenthume. Die Peru schim verehrten zugleich mit der heiligen Schrift eine aus dem Geiste und der Geschichte des Judenthums entwickelte Erläuterung, Erweiterung und Feststellung des Gesetzes als Ueberlieferung, Tradition. Sie hafteten weniger am Buchstaben, sondern erklärten diesen aus dem Geiste der Schrift, und strebten diesem in der Praxis einen dem Volkscharaktcc entsprechenden Ausdruck zu geben. Durch ihre vernünftige Auslegung und geistige Auffaffnng lösten sie manchen scheinbaren Widerspruch im Gesetze, milderten manche scheinbare Härte in. der Rechtslehre, verliehen dem Judenthume eine der jedesmaligen Bildungsstufen des Volkes angemessene Entwickelungsfähigkeit, und wußten herrliche Lehren zu entwickeln, die der dürre Buchstabe zu versagen schien. Sie glaubten daher' an Unsterblichkeit und Auferstehung als im Geiste des Mosaismus enthalten und von den Propheten weiter entwickelt. Und weil sie an eine jenseitige Vergeltung glaubten und daß im Erdenleben keinesweges die Gerechtigkeit in ihrem ganzen Umfange zur Erscheinung kommt, nach ihrem Ausspruche: ״Die Welt geht .ihren natürlichen Gang und gestohlene Saat z. B. gedeihet nicht minder als ehrlich erworbene; allein die Thoren, welche verkehrt handeln, werden einst Rechenschaft ge- Len müssen", so waren sie als Richter nichts weniger als an- ' ' 13*