Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbinen
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 162 (sequence 2)
- Language
- German
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10s Bilder aus dem Leben und Wirken der Rabbineu. eines Caracalla, der vierzig Pfund Fleisch in einer Mittagsmahlzeit verzehrt haben soll, nicht verschweigen zu dürfen glaubt. Aber wundern müssen wir uns, daß selbst der jüdische Geschichtschreiber Josephüs, dem wir eine so umständliche, vielumfassende Erzählung der jüdischen Geschichte verdanken, wie es scheint geflissentlich, gerade diejenigen Männer ignorirt, welche für die innere Entwickelung des Judenthnms von so großer Wichtigkeit und in ihrer Beziehung zu den jüdischen Regenten gewiß nicht bedeutungslos waren. Erwähnt er ja nicht einmal der Synhedrialvorsteher mit einem Worte, Schemaja ausgcnommen, weil dieser durch sein Auftreten gegen Herodcs in der holitischen Geschichte nicht zu umgehen tvar. Wir können uns dieses nur dadurch erklären, daß Josephüs erstens seine Geschichte mehr für Griechen und Römer geschrieben hat, die sich für die innere Geschichte des Judenthnms nicht interessiren konnten; daß er zweitens dem Synhedrium, weil es als Volksinstitut natürlicher Gegner des Makkabäischen und Herodäischen absolutistischen Strebens war, nicht wohl wollte, und daß er endlich die Rabbinen überhaupt, als Gegner des essäischen Wnnderwesens, dem er (wie aus seinen Antiquitäten 13,19 und 14,3 ersichtlich) sehr huldigte, eben nicht sehr liebte. — Wenn uns aber die Rabbinen nicht directe, vollständige Biographien dieser Männer und eine sorgfältige Aufzählung ihrer Thaten lieferten, so ist dies nur ein Zeuguiß mehr für ihre anspruchlvse Tugend, welcher kräftiges Handeln, mnthiges Leiden und freudige Aufopferung für das Wohl des Volkes und die Erhaltung der Religion und ihrer Wissenschaft für so natürlich, einfach und sich von selbst verstehend galt, daß eine Verherrlichung derselben ihnen eben so fern war, lute eine Verherrlichung ihrer selbst. Dagegen müssen wir ihnen Dank wissen, daß sie uns in den Talmuden und Midraschim gelegentlich, an den verschiedensten Orten zerstreut, einige Lichtstrahlen aus dem Leben und Wirken dieser Männer aufbewahrt haben, die zu Bildern gesammelt hinreichen, uns als Muster nachahmungswerther, bescheidener Größe zu leuchten. Unter diesen Männern nun ragt besonders die hehre Gestatt des Simon ben Schetach hervor, eines Mannes im vollen Sinne dch Wortes, dessen Gcundzug strenge Wahrheitsliebe, ungetrübtes Nech'tsgefühl selbst mit Aufopferung dessen, was ihm das Theuerste war, Bildete; der durch Ausdauer in Widerwärtigkeiten, durch Kühnheit gegen Tyrannei, durch Klug-