Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Geschichte der Niederlassung der Juden in Holland und den niederländischen Colonien
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 13)
- Language
- German
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Die Geschichte der Niederlassung der Inden in Holland:e. 133 daher auch ungefähr ein Jahrhundert später nicht sehr befremdend im Munde des Statthalters Wilhelm IV. lauten, als er vor der Versammlung der Geueralstaaten erklärte, daß Nichts so sehr zum Emporkommen des unüberschwinglichen Glückes des holländischen Staates beitrug, als die beharrliche Festhaltung des Principes, den Fremden, die Lei ihm Schutz und Schirm gegen Unbill zu erstehen gekommen, diesen Schutz ohne Rücksicht zuzugestchen. — Wir wenden uns nun zu den in England gegen die Mitte des 17. Jahrhunderts zur Wiederaufnahme der Juden gethanen Schritten, die, da sie von Holland ausgingen, mit unserer Geschichte in engem Zusammenhang-stehen. Cromwell's Stellung an der Spitze der öffentlichen Angelegenheiten Englands hatte bei den Juden in den Niederlanden die Hoffnung erweckt, für ihre Glaubensbrnder einen Zufluchtsort jenseits des Kanals zu finden. (Hatten ja im Scherz oder Ernst einige hochgelehrte Juden dem Protcctor eine jüdische Abkunft aus Davidischen Stamme als nicht ganz unmöglich vindicirt!).— Der englisch - holländische Krieg ließ nicht an Verwirklichung dieser Hoffnung denken; als aber der Friede angcbahnt wurde und englische Botschafter nach Holland kamen, so suchten die angesehensten Juden den Botschaftern eine günstige Meinung über Juden und Judenthum bcizubringen. Sie wurden in die große Synagoge geführt und mit Musik feierlich empfangen u. s. w.. Es wurde ein freundschaftliches Verhältniß angeknüpft, und nicht lange hierauf der berühmte M enasseh ben Israel damit beauftragt, die ferneren Versuche bei dem Proteetor selbst in England fortzusetzen. Man gab der Sache den Anstrich einer Handelsangelegenheit, um jedem Verdacht geheimer religiöser Verbindungen vorzubengen; vielleicht hatte aber auch der größte Staatsmann jener Zeit sich dieser jüdischen Gesandtschaft als seinen Ztveckcn förderlich zu bedienen gesucht. Der Vorschlag der holländischen Juden fand bei den Directoren der Handelskammer ein offenes Ohr; da aber die Zulassung einer neuen Neligionsgenossenschaft zu den Rechten des Protcctors gehörte, so verwies man die Bittsteller an Cromwell, und Menasseh ben Israel säumte nicht, seine Bitte in die Form eines Schreibens zu kleiden, das durch seine Feinheit, Tact und Glaubenstvärme ein wahrhaftes Meisterwerk ist. Cromtvcll unterwarf die Frage einer aus zwei Juristen, sieben notablen Bür-