Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Geschichte der Niederlassung der Juden in Holland und den niederländischen Colonien
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 8)
- Language
- German
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128 Die Geschichte der Niederlassung der Jude» in Holland re. cheribs vor Jerusalems. Mauern zu vernichten, als in sehr vielen, dem väterlichen Glauben im Geheimen anhängenden Juden Portugals der Gedanke wach wurde, daß sie in dem Lande, gegen das der Tyrann vergebens die Waffen ergriffen und das Alles an die Freiheit setzte, auch für sie ein Frcihektsschimmer auf-, gehen werde. Ihr Streben ging anfangs dahin, in Middelbürg die nämliche Begünstigung nachzusuchen, ivelche den Wiedertäufern durch den Prinzen Wilhelm von Oranien zngesichert worden war; allein dieser freisinnige Fürst war nicht mehr am Leben, und sie stießen auf unerwartete. Hindernisse von Seiten Middelburger protestantischer Prediger, ivelche aus der Toleranz ein Monopol für ihre Kirche machten. Don Samuel Palache, ein geborner portugisischer Jude und kaiserlich Marokkanischer Gesandter in Nkederland, den man später rmter den ersten Vorstehern der portugiesischen Synagoge zu Amsterdain antrifft, soll beim Middelburger Rath vieles versucht haben, doch vergebens. Aber cs eröffnetcn sich bald günstigere Aspecte. Die nördlichen Provinzen waren durch die Utrcchter Union vcrbunden, aber Amsterdam, der Nerv des Staats, hatte sich noch nicht gegen Spanien erklärt: mit dem endlichen Abfall dieser Stadt trat eine neue Periode ein. Im Jahr 1590 kamen zuerst drei portugiesische Juden nach Amsterdam, mit dem Vorsatz, um Niederlassung anzuhalten, Manuel Lopez Homem, dessen Fraü Maria NnScz und Miguel Lopez. Ihre Anzahl hatte im Jahr 1595 bereits so zugenommen, daß sie am Versöhnungstage geheimen Gottesdienst verrichten konnten, worin sie aber von der Polizei gestört wurden, weil man gegen sie den Verdacht eines Einverständnisses mit Katholiken hegte oder sie sogar fiir Katholiken hielt. Da sich aber bald dieser Verdacht als ungegründet erwies, so gestattete man ihnen freie Uebung des Gottesdienstes mit dem Auftrag, Gott um Segen fiir die Obrigkeit anzuflehen. — Dieser günstige Anfang führte bald eine noch größere Anzahl portugiesischer Juden nach Amsterdam.- Im Jahre 1598, nicht lange nach dem Tode Philipp II., kamen mehrere andere Familien dahin und man fand es nun für nöthig, eine Synagoge einzurichten. Eine solche stiftete Jacob Firado und nannte sie nach seinem Namen ״ כית יעקבHaus Jacobs". Der 1620 verstorbene Joseph Pardo fungirte daselbst als Rabbiner. Auch Heirathseinsegnungen sollen daselbst stattgefundcn haben; ein völlig öffentlicher Gottesdienst trat jedoch erst 20 Jahre später ein.