Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Geschichte der Niederlassung der Juden in Holland und den niederländischen Colonien
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 4)
- Language
- German
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124 Die Geschichte der Niederlassung der Juden in Holland re. würdige Ereignisse statt. Ein adeliges Fräulein, Tochter Heinrich's Bor von Eck, verliebte sich im Jahre 1420 in einen Inden auS Cöln und verhcirathcte sich heimlich mit ihm. Sie wurde den Gesetzen zufolge i» benannter Stadt öffentlich vcrbrannt; man siihrte hierfür ein früheres Beispiel vom Jahre 1222 aus England an. Wenige Jahre später glaubte ein geldrischer Edelmann, Jan van Nossum, sich berechtigt, Ansprüche auf die Schätze eines Juden machen zu dürfen, der, ungeachtet eines erhaltenen Gelcitbricfes, vieler Kleinodien und 40000 Gulden beraubt wurde. Als Grund für diese Gewaltthat wurde angegeben, weil der Jude doch nicht ein so großes Vermögen ohne Wucher, Raub u.s. w. habe zusammenbringen können. — Die Anzahl der Juden in Gelderland,!vuchs trotz solcher Becinträchtkgnngen mit jedem Jahre, und die meisten Herzöge waren ihnen gewogen. Gegen die Mitte des 15. Jahrhunderts war zu Arnhem ein Jude als Stadtarzt angcstellt, und im Jahre 1494 ward die Behausung eines gewissen Isaak von der Muncipalität aufs kräftigste gegen einen Volksaufruhr in Schutz genommcn. Man liest aber auch von außerordentlicher Strenge, mit der öfter das .Verbot des Baseler Concils hinsichtlich jedes nähern Umgangs mit Juden, in diesem Herzogthume in Vollziehung gebracht wurde. In vielen Acten und Bescheiden aus diesen Jahrh. gcschiehet einer jüdischen Familie ״Gebrüder De Jode" kn Geldern und Zütphen Erwähnung, und es werden Mehrere aus dieser Familie unter den Schöffen der Stadt Arnhem genannt. Man hat jedoch bisher nicht ermitteln können, ob wirklich eine jüdische Familie sich so große Verdienste erworben, daß sie von der allgemeinen Ausschließung ausgenommen wurde, oder ob die frühern Gründer dieser Familie zum Chrkstenthume übergeschritten seien und das Epitheton ״der Jude." als Kennzeichen Leibehaltcn haben.*) Im Allgemeinen war die Lage der Juden in Gelderland bis zum 16. Jahrhundert nicht ungünstig; erst die unmittelbare Botmäßigkeit unter Kaxl V. und dessen Sohn Phi« lipp zog ihnen viele Leiden und Verfolgungen zu. Ueber Niederlassungen der Juden im bischöflichen Stift Utrecht und in der Herrschaft Overhssel, die zu diesem Bisthum *) Die letztere Meinung ist unwahrscheinlich, da getaufte Juden gewöhnlich bestrebt sind, jedes Kennzeichen ihrer frühern Abkunft zu verwischen. O. Sieb.