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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 3 · p. 116

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1853-01-01
Page
116 (sequence 4)
Language
German
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116 Reeenstonen ■tttib Anzeigen» Aber der hagadische Literaturschatz gehet noch weit über die biblische Zeit hinaus: die Hagada reicht hinunter in spätere Tage, und die Erzählung, die nun in meist von finsterm Gewölle umschatteten Verhältnisten sich ergehet, vermag nicht wehr sich in freibeschwingtem Adlersluge zu erheben. Anders die Sage, die auch hier ihr Recht behauptet, und den tiefsten Fonds religiöser und sittlicher Gefühle in das Gewand der Begebenheiten kleidet. Welches tiefe, von reiner Sittlichkeit getragene Gefühl bekundet die Sage, in der von ihr aufgefundenen Veranlassung des Unterganges des zweiten Tempels. ' Sie knüpft an rein Menschliches, an einen in die innerste Seele schneidenden Vorfall an. Ein - durch heuchlerische Freundschaft, grausam Hintergangener Ehemann muß als Diener dem buhlerischen Freunde aufwarten, auf dessen Anrathen er sich von seiner Frau geschieden und der sie nun in feinen Armen hält. In den Becher, den er dem verbrecherischen Paare kredenzen muß, stürzen die Thränen des verrathenen Gatten, und diese Thränen besiegeln das Schicksal Jerusalems (Gittin 58). Und solche tiefgefühlte Züge liegen der Sage, an welche Zeit sie je anknüpst, zu Grunde. Ein ferneres Eingehen auf die Hagada und die Besprechung ihrer mannigfachen Gebilde würde die Grenze einer literarischen Anzeige, weit überschreiten: wir wenden uns daher zu dem vorliegenden Werke, das dem Leser diese verschiedenen Formen in metrischer Bearbeitung vor Augen führt. Herr S. hat sie in einem Geiste aufgefaßt, der Zeugniß ablegt, daß er der Berufene sei. Das Vorwort bringt eine Entschuldigung des Verfassers, daß er nicht die ״Treue in dem üblichen Sinne als wörtliche Wiedergabe" beobachtet. Aber er hat die höchste Treue, das Nachempfinden der großen, schönen Gedanken, das Jnsichaufnehmen des poetischen Funkens bewahrt. Herr S. ist nicht Uebersetzer: in seinem Innern hat das vom Früheren hingeworfene Wort gezündet, und nur wer selbst von diesen Anschauungen und Gefühlen begeistert ist, nur das Gemüth, das von solcher Innigkeit überftrömt, vermag diesen' Reflex einer von Gott erfüllten Vorzeit in seinem glänzenden Lichte auszustrahlen. — Das Buch zerfällt in drei Abtheilungen: Sagen und׳ Erzählungen; Betrachtungen, Parabeln und Hymnen; Gedanken.und Sprüche. Wie zart ersaßt und trefflich wiedergegeben sind folgende zwei Stücke der ersten Abtheilung: We ltens abb a t. Die achte Stund' am Frekwg war genaht, Als Adam in den Edengarten trat. Von Engelschaaren ward er froh empfangen, Die Lieder vor dem Fremdling sangen. ׳ Sie führten ihn in die erschloßnen Räume, Daß er lustwandelt durch-des Gartens Bäume.

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