Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 115 (sequence 3)
- Language
- German
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Reeensionen und Anzeigen. 113 völlige Befriedigung und Erhörung finden wird. Dieses ist der Grundton, der sich durch Midraschim und Talmude ziehet: die kindlichste Un- Mittelbarkeit, genährt und getragen durch die Lehre. Daher war auch die Lehre nicht ein Altes und Veraltetes, ihre Berichte nicht nur einer längst dahingegangenen Zeit angehörend: jedes Geschlecht durchlebte, durchfühlte, durchdachte sie von Neuem: die Erfahrungen und Ereignisse der Gegenwart wurden aus ihr herausgelesen und in ihrem Geiste aufgefaßt; sowie man wieder durch einen Rückschlag die Resultate des tiefsten Denkens und des edelsten Wirkens zurück aus die Lehre und die in ihr hervortretenden Gestalten trug. Lassen wir den Vers, in feinem inhaltreichen Vorwort sprechen. ״Was die edelsten Denker, die in sittlicher Reinheit und Vollendung Besten, dachten, ahn--' ten, empfanden, was ihnen als Lösung der Räthsel des Lebens und der Menschenbrust aufgegangen, was sie tröstete in schweren Leiden, was als tiefste Ueberzeugnng, als erhellender Blick ihnen den Geist beflügelte und die Seele klarte — ward in das göttliche Wort hineingelegt oder daraus abgeleitet, in sinniger Weise und Deutung dem Bibelworte abgenommen oder ihm geliehen." — ״Die Liebe, mit der Alles umfaßt ward, was die hehre Vorzeit und ihre Helden anging, ließ diese für eine jede Zeit als mustergültige Vorbilder erscheinen. Man verstand sich selbst nur durch die Vergangenheit, die für Alles Antwort gab, was die Gegenwart brachte, und in die fernste Zukunft führten die lichten Verkündigungen prophetischer Vorschau, auch den trübsten Himmel mit Hellem Scheine umsäumend; denn hinter dem Gewölke war die Sonne des Höffens und Glaubens nicht untergegangen. -Jene Liebe brachte die fernen Gestalten der Urzeit so nahe, daß der Sinn mit ihnen lebendig und traulich verkehrte .... Man fühlte, dachte, lebte sich in sie hinein, verstand das Geäder und Getriebe ihres innern Wesens mit fein- und nachsühlender Schmiegsamkeit der Seele, ließ sie sprechen, wie sie wohl in den verschiedenen Lagen ihres Lebens gesprochen haben müssen, und half nach mit den reichen und unerschöpflichen Mitteln, die ein unerschütterliches, nicht grübelndes Glaubensleben" und eine stets auf ihr Ziel gespannte Phantasie für jede Noth und Verlegenheit bereit halt." ׳ ' In diesem Hineinleben und Überträgen schmelzen jedoch genau betrachtet Sagen und Erzählungen in Eines zusammen; die Erzählung ist ebenfalls Sage, sie gibt sich nicht für traditionell aus, sucht nicht eine historische Begründung und Rechtfertigung, sondern knüpft nur an eine historische Person an, der sie Betrachtungen, Gefühle, Handlungen unterlegt, die die nur in. einigen Umrissen gezeichnete Gestalt zu einem vollendeten, mit den reichsten Farben ausgeschmückten Bilde machen. 9*