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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 3 · p. 114

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1853-01-01
Page
114 (sequence 2)
Language
German
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1.14 Reeensionen und Anzeigen. schen Literatur Ruhe gewährt wurde, weil"man sie,.nicht der Verfolgung werth achtete. Ln ihr nur ein Konglomerat von Spitzfindigkeiten, sinnlosem Aberglauben und Ungereimtheiten erblickte. Erst Herder ahnte, daß hier edle Blüten zu finden seien und dieses Schristthwn manche ansprechende orientalische Anschauung enthalte. Und der treffliche, die Spuren des im Menschen Göttlichen nach allen Richtungen aufsuchende Forscher fand sich durch eine ergiebige Ausbeute belohnt: er hatte mit Meisterhand' an den Felsen geschlagen und es ergossen sich lebendige Quellen. Dieser Versuch lenkte die Forschlust auf dieses Gebiet : und so wurde durch Hurwitz- Weil, Krafft, Tendlau u. A. die deutsche Literatur mit. Sagen, Erzählungen und Sprüchen aus Talmud und Midraschim bereichert, die Zeugniß ablegten , daß-.hier ein unerschöpflicher Reichthum der tiefsten Gedanken und der erhebendsten Gefühle zu finden sei. Zugleich drängte sich aber auch die Wahrnehmung auf, daß der Ausdruck ״orientalische Dichtungen" hier keine genügende Bezeichnung fei. Diese Sagen haben in ihrem phantasiereichen Schwünge nicht eine glühende Phantasie allein zur Unterlage, und ebenso wenig sind ihre Erzählungen Ausgeburten einer schwelgerischen Einbildungskraft: hier ist Alles von einem höhern Geiste geschwängert und befruchtet; vom tiefsten, innigsten Glauben belebt, strömt das Gemüth in Ergießungen über, die ihre Weihe in sich haben und sie für alle Zeiten und alle Raume bewahren; und von diesem Jjefen Gefühle sind ebenfalls die Erzählungen getragen. Der Urtypus für diese Gebilde ist das zarte Verhältniß, das zwischen Gott und seinem Volke nicht etwa nur gedacht, sondern Liefinnigst gefühlt wurde: das Verhältniß eines Vaters zu seinen Kindern. Der Herr befahl: sie sollen mir ein Heiligthum machen und ich werde unter ihnen wohnen; ״denn lieblich ist es dem Vater unter seinen Kindern zu wohnen, lieblich den Krudern, daß der Vater unter ihnen seinen Wohnsitz ausschlägt" erklärt die sinnige Deutung. ״Und als sie auswandern, da ist ihr Jammer unbeschreiblich, daß sie vom Tische des Vaters verstoßen sind; aber auch der Vater trauert, fügt die Sage hinzu, daß er seine Kinder in die Verbannung schicken mußte. Aber er hatte ihnen schon lange ein hohes Gut gegeben, das sie begleitet: dieLehre, um derentwillen die Welt erschaffen, um derentwillen er diese Kinder ausersehen, denn ste werden -sie bewahren." So hatte das Leben einen religiös-poetischen Schwung: durch die kalte, erstarrende Decke der Gegenwart ziehet.sich ein Faden hinaus in die erwärmenden,׳ leuchtenden Tage einer von göttlichem Glanze strahlenden Vorzeit; und das Sehnen ist ein liebekrankes, Sehnen, dem wie es das als Ausdruck dieser Gefühle betrach- Lete Hohelied beschreibt, gleiche Liebe entgegenkommt, und das meist seine

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