Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Briefe aus Prag
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 105 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Briese aus Prag. 105 Freunden des Wissens werth, unvergeßlich aber dem Herzen der einstigen Hörer, die sich noch mit Stolz nach dem theuern Lehrer nennen. ״Noch ein Name, dessen Träger erst vor einigen Jahren zu seinen Vätern eingesammelt wurde, werde erwähnt: Herr WolfW eri h e im er. Ans einem einsamen Dorfe — Dobruschka— lebend, waren Studium der jüd. Lehre und Vertiefung in Wissenschaften seine Freude und Erholung, und bildeten den Inhalt seines Seins. Ausgebreitetes Wissen machten ihn zu einem der ersten jüd. Gelehrten: seine Bekanntschaft mit der klassischen Literatur und eine vollendete Bildung erhoben ihn zum allgemeinen Gelehrten. Seine eigentliche Größe — als solche wurde er allgemein anerkannt — bekundete sich in seiner ungemeinen Anspruchslosigkeit, der nur die tiefste Frömmigkeit, die Milde seines Wesens und sein Wohlthätigkeitssinn gleichkamen. Das Andenken des Gerechten sei gesegnet! Ich kann diesen Brief nicht schließen, ohne Ihnen noch Manches über Synagogen und Schulen mitzuLheilen. Mein voriger Brief hat Ihnen schon angedeutet, daß sich in vielen Gemeinden Schulen finden: ihr höherer oder niederer Stand ist,zumeist von der thätigen Theilnahme der Rabbiner bedingt. Ueberdie von Herrn Martinow.etz im 1.1845 zu Schwarzkosteletz errichteten Musterschule wurde in Ihrer früheren Zeitschrift (Jahrg. 1845 S. 68 ff.) berichtet. Sie schien zu großartig ang'elegt, als daß sie sich lange halten konnte.^ Im Ganzen scheinen hinsichtlich des eigentlichen Religionsunterrichts die israelitischen Landschulen über der-Prager israel. Hauptschule zu stehen. — Anlangend die Synagogen ist in vielem Gemeinden ein geregelter Gottesdienst eingeführt. Erwähnung verdient die kleine Gemeinde V r an d ei s, die hiermit auf dem Lande den Anfang machte. TepliH hat eine Orgel, die aber nach dem Verfalle des dortigen Cültus zu nrtheilen, wenig zur Erbauung der Gemeinde beiträgt. Sucht man ein Gesammtbild für das israel. Religionsleben der böhmischen Landgemeinden, so begegnet man vielen Kräften, die es zu tragen befähigt sind, wie nicht minder Kräften, die zwar schlummern aber beim ersten lauten Rufe zum Leben erwachen werden. Von wem dieser Ruf ausgehen soll, darf kaum nochmals erwähnt werden. Wohl aber ist hervorzuheben, daß der böhmische Jude bereit ist — wie dieses ein Kennzeichen des Juden überhaupt — die unglaublichsten Opfer für die Erziehung seiner Kinder zu bringen, und auch der Mitteloseste, der von Dorf zu Dorf mit seinem Bündel wandert, stehet hierin nicht zurück. Und da der Glaube noch nicht aus seinem Herzen gerissen ist, so will er ihn in seinen Kindern fortleben sehen: daher der Weg für Hebung der Religion leicht angebahnt werden könnte. Ein wirksames