Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 3 · p. 104

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 3
Article
Briefe aus Prag
Date
1853-01-01
Page
104 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829150-2829154-2852194--00882-2852226
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

104 Briefe aus Prag. vo-n denen mit Ausnahme der Sack-Aschen Volksbibel nur einige unbedeutende Leitfaden beim Religionsunterricht zu Tage gefördert wurden. Da wir der hervorragenden Männer Böhmens in den Landgemeinden gedenken, so wäre es im schroffsten Widerspruche mit den Grundansichten des Judenthums bei den fungirenden Rabbinern allein stehen zn bleiben, und so sei eines Mannes Erwähnung gethan/der eine wahrhafte Zierde feiner israel. Brüder ist. Herr Aaron Kornfeld zu Jenikau ist der Name dieses Edlen der Edlen: dieser Name ruft bei vielen seiner Verehrer ein Lheueres Andenken wach, das auch den Fernstehenden nicht vorenthalten werden darf, da es eines der schönsten Kleinodien in der Jetztzeit Israels bezeichnet. Jenikau ist eine kleine Gemeinde von etwa 30—40 Familien: durch den in ihr waltenden frommen Geist ist sie zu den vorzüglichsten Gemeinden des Landes zu rechnen. Die dortige Synagoge ist ein wahres Gotteshaus, eine Stätte tiefer Andacht: manches in früherer Zeit die Synagogen Entstellende wurde daselbst schon lange entfernt und nur die Stimme des Gebetes wird gehört. Ein Sinn, der der Biederkeit, durchziehet die Gemeinde: und der Repräsentant dieses Sinnes ist seit Jahren die Familie Kornseid. Der Vater, der sel. N. Mardochai Kornfeld, -ist der Wd. Welt als großer Gelehrter seiner Zeit bekannt; und der Sohn, geziert mit TTgenden des Geistes und des Herzens, trat bald in -die Fußstapfen des Vaters. Ein einfacher schlichter Kaufmann eröffnete Herr A.-Kornfelb in fast erst angehendem Mannesalter eine Schule; und von allen Seiten strömten zu dem jungen, in großem Ruse stehenden Gelehrten wißbegierige Jünglinge herbei. Er verweigerte es, sich von den Schülern Rabbi nennen zu lassen: er war ihnen stets Freund und Bruder. Md sie hatten auch Gelegenheit von ihm noch mehr als das gelehrte Studium zn erlernen: die Ausübung der schönsten Tugenden, die echte innige menschenfreundliche Frömmigkeit, die edle Handlung, die den Inhalt der Lehre macht, sie sahen sie in dem geliebten Lehrer und Freund verwirklicht. Der Liefe Geist des Herrn Kornfeld blieb auch nicht beim talm. Studium allein stehen: er durchwanderte viele Gefilde des Wissens, und bereichert an mannigfachen Anschauungen wurde seine Frömmigkeit um so geläuterter. Er hat auch das Leben erkannt: manche seiner unterrichteten Söhne hat er ein Handwerk ergreifen lassen. Herr Kornfeld ruft das Bild der alten Weisen Israels zurück, die anspruchslos und fern von Anerkennung und Lohn, - der Lehre um ihrerselbst willen oblagen.-—׳ Durch den Umschwung der Zeit, und zumeist durch den Umstand, daß Jenikau kein Gymnasium hat und nicht Gelegenheit zu klassischen Studien bietet, hat sich die Schule aufgelöst. Die Erinnerung an den edlen Meister, der in ihr waltete, ist allen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.