Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Briefe aus Prag
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 103 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe aus Prag. 103 (Lichtenstadl), sondern m allen Gemeinden seiner zwei Kreise wurde durch ihn ein gründlicher Religionsunterricht ein geführt: ,er war oft gegenwärtig und ermunterte durch häufige Prüfungen Lehrer und Schüler. Wie sehr ihm überhaupt der religiöse Unterricht am Herzen war und welchen Werth er auf Verbreitung eines frommen Sinns bei Jung und Alt legte, beweiset die von ihm herausgegebene Volksbibel, eine Uebersetzung des Pentateuchs mit fortlaufender populärer Erklärung und angeknüpsten religiösen Betrachtungen. Doch der treffliche Mann sollte nicht die Früchte seiner Aussaat sehen, und selbst die Vollendung seines Bibelwerkes war ihm nicht beschieden: ein Choleraanfall machte im I. 1850 seinem schönen Wirken nach noch nicht lange znrückgelegten vierzig Jahren ein Ende. Von welcher Rechtlichkeit er war und wie ferne von Eigennutz beweiset unter anderen bekannten Thatsachen auch der Umstand, daß in seinem Nachlasse fich kaum einige Gulden gefunden Haben sollen*). Wenden wir uns nun zu den Lebenden. Mit vieler Achtung wird Herr D. Frank, Rabbiner zu Kollin, genannt. Ein Mann echten talm. Wissens hat er auch allgemeine Bildung in sich ausgenommen und ist ein Freund der Wissenschaften. Mit redlichem Eifer für das Gute erfüllt ist er zu dessen Förderung stets bereit: er erkennt die Wichtigkeit seines Berufes und verwendet daher auch vielen Fleiß auf die Jugenderziehung. — Auch dem Rabbiner A. Sachs zu Königswart (Bruder des früher erwähnten S. Sachs) wird Anerkennung gezollt: er vereinigt Ln sich Wissen und Gemüth. Seine strenge Rechtlichkeit ist sprüchwörterlich. — Lobenswerthes wird auch dem Rabb. Haller zu Brandeis u. dem Rabb. K l e m p e r e r zu Tabor nacherzählt, und nicht mit Stillschweigen darf der greift würdige Hr. I. Mahler, Kreisrabb. zu Kallidey übergangen werden, der, zur alten Schule ׳gehörend, ein rühmliches Wollen zeigt. — Daß dieWissenschast auch unter ungünstigen äußeren UmstäudM ihr Recht geltend zu machen weiß, zeigt sich in Herrn D. Lö w y. Derselbe ist Rabbiner in Amschelberg, einer unbeträchtlichen Gemeinde; und dennoch hat er, obschon arm an gelehrtem Umgang und Hülfs- Mitteln, die Bearbeitung eines talm. Lexicons, לשון חכמים benannt, unternommen. Die bis jetzt erschienenen zwei Hefte bekunden ihn als Denker und als literarischen Repräsentanten der böhmischen Landrabbiner, *) Sache hat vier Theile seiner Volksbibel geliefert: zum fünften Lheile — Derrteronom — fand fich nur einiges Msct. in seinem Nachlaß. Herr D1\ W. Landau in Dresden, hat die Vollendung, die hoffentlich im Verlaufe dieses Jahres erfolgen wird, übernommen. D. Red.