Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Briefe aus Prag
- Date
- 1853-01-01
- Page
- 102 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Briefe aus Prag. gutgemeinte Wünsche, deren Verwirklichung in ferner Ferne stchk: mein folgender Brief wird zeigen, daß dieses Ziel von einigen Rabbinern erreicht worden ist. 111. Dieses Schreiben will sich in ein heiteres Gewand kleiden: die Berichterstattung.ist nun bei Männern angelangt, die, Zierden ihrer Gemeinden, ein vollwichtiges Zeugniß ablegen, daß auch unserm Böhmen geistige Kraft und vo.)r der Wärme des Glaubens durchglühtes Streben nicht fremd sei, daß wie der Zweifel an der Zukunft des Jndenthums ungerecht ist, so auch wir die Hoffnung aus bessere religiöse Zustände nähren dürfen. Aber es scheint des Sterblichen Antheil, daß er bei jeder freundlichen Aussicht gemahnt werde, daß ihm der Horizont selten ganz unumwölkt bleibt: es ziehet sich durch jede Freude ein bald leiserer, bald lauter klingender Schmerzensrus. Dieses Gefühl wird jedes Lesers sich bemächtigen, der den׳ in der Blüte der Jahre weggerafften Kreisrabbiner Dr. S a l om on Sachs kannte, ^der die Reihe der verdienten Rabbiner Böhmens neuerer Zeit eröffnet. Erlauben Sie mir, in einigen Worten Manches über ihn und seine Wirksamkeit mitZutheiten. S. Sachs, in einem kleinen Städtchen geboren, zog bald die Aufmerksamkeit des durch talm. Gelehrsamkeit bekannten und auch sonstiger Bildung nicht fremden Kreisrabbiners R. S. LmKauders (zuletzt erster Oberjuriff in Prag), auf sich. Dieser Rabbiner richtete auf der von ihm zu Kallidey^-— einem Marktflecken, dessen vorznglichern Th eil Juden bilden —- ins Leben gerufenen talm. Schule sein besonderes Augenmerk auf Sachs, den er in die Tiefen des talm. Wissens einweihete. So lag er auch auf Antrieb seines Lehrers den Gymnasialflübten ob, besuchte später die Universität zu Prag, und wurde im I. 1834 zum Säatzer und Elbogner Kreisrabbiner ernannt. Von nun an gehörte sein Leben nur den von ihm vertretenen Gemeinden au. Von sehr schwächlichem Körperbau, lag er mit der größten Auf- Opferung den ihm anvertraueten religiösen Interessen ob: er scheuete nicht Reisen und Anstrengungen der mannigfachsten Art, um Frömmigkeit fördernde'Anstalten ins Leben zu rufen: er war seinen Gemeinden ein Friedensbote, der, wohin er kam, die zuweilen unter sich zerworfenen Gemüther mit einander auszusöhnen wußte und so das Gelingen manches schönen, an innerer Zwietracht zu scheitern drohenden Werkes herbeiführte. Auch bei der Errichtung des israelitischen Spitals und der Synagoge zu Karlsbad entwickelte er ungemeine Fähigkeit. Seinem Wirken setzte er aber in der Sorgfalt für die Jugend die Krone aus. Nicht in der Gemeinde nur, in der er seinen gewöhnlichen SH hatte