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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 3 · p. 98

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 3
Article
Briefe aus Prag
Date
1853-01-01
Page
98 (sequence 3)
Language
German
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98 Briefe aus Prag. lebenden und der Befriedigung der täglichen Nahrungssorgen obliegenden Männer doch häufig im Stande in rituellen Fragen Bescheid zu ertheilen. Manche lagen auch nachdem sie die Schulen zu Prag verlassen hatten noch ferner ganz den früheren Studien ob: und gelang es ihnen auch nicht sich hervorragende zum Rabbiner qualifieirende Gelehrsamkeit anzueignen, so erwarben sie doch die Befähigung, für die im-gewöhnlichen Leben vorkommenden Fälle Auskunft zu geben und vertraten in der kleinen Gemeinde, bei freilich sehr kärglichem Gehalte, die Stelle des Rabbiners: auch bildeten sie zugleich die Jugendlehrer. Die Gemeinden bedurften also für das Rituelle sowohl durch den in ihrer Mitte sich gewöhnlich befindenden Privatgelehrten, wie durch den stellvertretenden Rabbiner (gewöhnlich סורה צדק genannt), nicht sehr des Kreisrabbiners; und mit der Controle über den Unterricht befaßte sich nach dem Bildungsstande jener Zeit der Kreisrabbiner nur in sehr geringem Grade. Aber ein frommes Gefühl lehrte der Gelehrsamkeit Achtung zollen: nicht dadurch, daß man seiner bedurfte, sondern weil Anerkennung des Wissens und der Frömmigkeit Bedürfniß war, ssihlten sich die Gemeinden an den Kreisrabbiner geknüpft. Dieses auf Pietät baflrte Verhältniß mußte sich jedoch in dem Grade lockern, als die frühere Pietät allmälig abnahm und die Utilitätsfrage, zu welchem Zweck und Frommen man Kreisrabbiner habe, in den Vordergrund trat. -Eine Maßregel der Negierung trug, obwohl ein solcher Erfolg von .deren Seite gewiß nicht beabsichtigt war, vollends dazu bei die Kreisrabbiner in gänzlichen Mißkredit bei den Gemeinden zu bringen. Prag hatte ein kleines Contingent zu der Mendelssohnsschen Schule in der Person des Herz Homberg geliefert: ein Contingent auf das.sie wahrlich nicht stolz zu sein brauchte, und es ist befremdend genug, daß Mendelssohn nicht die Bedeutungslosigkeit Hombergs erkannte. Von Berlin zurückgekehrt wurde Homberg unter der Regierung Joseph II. zu manchen Missionen bei den Juden verwandt: er lebte hierauf längere Zeit in Wien, wo er den Titel eines Schulraths , erwarb. Im Jahre 1811 veröffentlichte er ein Religionsbuch, Bne-Zion benannt; und er wußte es dahin zu bringen, daß dieses Lehrbuch nicht nur als obligat für israel. Schüler erklärt wurde, sondern daß Niemanden, männlichen oder weiblichen Geschlechts die Erlaubniß. zur Verheirathung gestattet wurde, wenn nicht eine Prüfung aus dem Bne-Zion vorhergegangen war. Diese Prüfung mußte auf dem Lande im Kreisamte, im Beisein eines Beamten der Kreisbehörde, vom Kreisrabbiner vorgenommen werden. Wir sehen ab von der Herab- Würdigung die für den Kreisrabbiner in dem. Gesetze lag, daß die An- Wesenheit eines christlichen Beamten bei dieser von ihm, dem jüdischen

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