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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 3 · p. 97

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 3
Article
Briefe aus Prag
Date
1853-01-01
Page
97 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Briefe aus Prag. 97 Gemeinden. Außer Prag sind jedoch nicht eigentlich große Gemeinden in Böhmen zu finden: die meisten Gemeinden bestehen mit Ausnahme von sechs bis acht, die über 100 u. 200 Familien zählen, nur ans 30 — 40 Familien, manche auch in geringerer Anzahl , bis der Name Gemeinde verlischt und nur Einzelnwohnende (s. g. ) zu finden sind. Aus dieser Zersplitterung in kleine Theile erwächst der Uebelstand, daß viele dieser Gemeinden zu schwach sind, um einen Rabbiner in ihrer Mitte anzustellen. Die Negierung schon lange hierauf aufmerksam gemacht, hatte die Einrichtung getroffen, daß je nach den Kreisen , in die bis 1850 das Königreich Böhmen eingetheilt wurde, ein Kreisrabbiner ernannt werde. Ueber die Wirksamkeit dieser Kreisrabbiner — es waren ihrer zwölf, da die kleineren Kreise zwei unter einem Rabbiner standen — und wie sie ihre Stellung ausfüllten ist. wenig Befriedigendes zu berichten: es fehlte nicht nur an einem Zusammenwirken, sondern auch die einzelne Thätigkeit wurde vermißt. Diese Klage trifft jedoch weniger die frühere alte Zeit: damals that sich eine Mannigfaltigkeit der religiösen Bedürfnisse nicht kund, das Leben hatte nur eine religiöse Richtung, man hielt sich streng nach der herkömmlichen alten Sitte, aus deren Bereich auch die Jugenderziehung nicht heraustrat. Da war auch die Thätigkeit des Kreisrabbiners nicht sehr in Anspruch genommen: man wendete sich an ihn. mit rituellen Fragen, rurd solche zu beantworten war doch immer die Ausgabe der jüd. Gelehrten, mochte er auch nicht hierzu angest.ellt sein. Er ertheilte ferner den Schochetim, die allgemein auch Vorbeter waren, die Approbation, bereiste in einem Cyelus von zwei bis drei Jahren die Gemeinden des Kreises, und ertheilte endlich Autorisation zu Trauungen. Einkünfte und Achtung hingen 'gewöhnlich von dem Grade der Gelehrsamkeit ab die er erworben, und von dem Rufe der ihm voranging. Db jedoch ein eigentliches Bedürfniß die Gemeinden zu dem Kreisrabbiner hinzog, dürste zu bezweifeln sein. Das religiöse (talmudische) Wissen war zu jener Zeit allgemein verbreitet. Aus den Lehrhäusern in Prag, und vorzüglich aus der. Schule des in der jüd. Welt berühmten Prager Oberrabbiners N. Jecheskel Landau, gingen Gelehrte in großer Zahl hervor: die ganze Provinz sendete ihre Jugend nach der Hauptstadt, der Landjude hielt es für das frömmste Verdienst seinen befähigten Sohn an die Quelle jüdischer Gelehrsamkeit, die in Prag so reichlich floß, zu führen und ihn des Unterrichts der dortigen Lehrer thei.lhast.ig werden zu lassen. Die Jünglinge kehrten auch gewöhnlich mit Wissen bereichert' in ihre Gemeinden zurück': sind da im Judenthum die religiöse Belehrung nicht an Ordination und Weihe geknühst ist, so waren diese zwar größtentheils iw Priv.atstande Frankel, Monatsschrift II. 8

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