Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 96 (sequence 15)
- Language
- German
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95 Die liniert jüdische Literatur und ihre Bedeutung. Blos von zwei schriftstellerischen Erzeugnissen damaliger Zeit könnte man annehmen, daß in ihnen das Streben sich kund thue, die jüdische Religion ans eine neue Basis zu begründen, daß selbe mithin ans Wesen nnd Prineip des Judenthums eingegangen wären. Sie werden vielleicht errathen, daß ich hierunter den ״Leviathan von Sanl Ascher, Berl. 1792." nnd das ״Sendschreiben einiger jüd. Hausväter an den Probst Teller, Berl. 1799" von David Friedländ er meine. Allein in der letztgedachten Schrift ist nicht von einer Umbildung des Judenthums innerhalb der Synagoge die Rede. Sie gibt sich vielmehr selbst als Organ einiger Freidenker, die gern in die christliehe Kirchengemeinschaft ausgenommen sein möchten, ohne deren Dogmen anerkennen zu müssen. Dergleichen Versuche und Anbahnungen gehören in die allgemeine Religionsnnd Culturgeschuhte, sind nicht Entwickelungen des Jndenthnms zu nenneu. — Sanl Ascher wollte allerdings ein neues förmliches (in 14 Artikeln abgefaßtes) Glaubensymbolum für das Judenthum festgesetzt wissen, welches an die Stelle des zeitherigen Ceremonialgesetzes treten sollte; aber abgesehen, daß er die wesentlichsten Gesetze (Beschneidung, Sabbat und Festtage, Bußübungen), ingleichen die vorzüglicheren Glaubenslehren (Offenbarnng auf Sinai, Messias und Auferstehung) doch beibehielt, mithin sich eigentlich nicht principiell, sondern nur graduell vom Alten trennte, fand auch sein Entwurf bei keiner Partei Anklang und blieb isolirt. Diejenigen, welche damals die Ceremonialgesetze nicht beobachteten, mochten das Judenthum selbst nicht mit sich fortziehen; sie gefielen sich in dem eiteln Gedanken besser, über das Judenthum sich gestellt zu haben! . Dahingegen waren es zwei früher minder beachtete Fächer, auf die man jetzt mit vielem Fleiße sich zu legen begann. Nach außen hin die Apologie des Judenthums, nicht wie im Mittelalter zu religiös-polemischen Zivecken, sondern zur Abwehr mancher gehässiger Angriffe und zur Hebung der politischen Stellung der Juden, und nach innen die Bearbeitung ängemessenerSchriften für den Jugend-Unterricht, woran verbesserte Uebcrsctzungen der alten Gebete und manche zweckmäßige Erbauungsschriften für die Erwachsenen sich reiheten. Doch gelangten diese Literaturzweige erst in der folgenden Periode zur 'eigentlichen Blüte. Ich breche daher heute hier ab;- als Gesammtresultat aller jener literarischen Bestrebungen seit Mendelssvhn ergibt sich indessen klar, daß das jüdische Wissen, welches