Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829150-2829154-2852192--00872-2852218- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
96 Briefe aus Prag. gleich einer Mumie erstarrt war, wieder zu neuem Leben sich erhoben hatte. Die Literatmschätze, auf die man ein halbes Jahrhundert vorher zwar mit herkömmlicher Pietät aber nicht immer mit lebendiger Ueberzeugung hingcblickt hatte, wären wieder in eine freundlichere Perspective geruckt worden. Wie manche Bewohner erhabner Gebirgsgegenden erst durch äußere Eindrücke auf die Naturschönhekten ihrer Heimat aufmerksam gemacht werden müssen, so ging es auch hier. Die große geistige Bewegung des 18. Jahrhunderts, ihr Rückschlag auf Juden und Judenthum, gab den Impuls zu besserer Würdi» gung des Kleinods, das man bewahrte. War nun einmal der Buchstabe gelüftet, die richtige Methode gewonnen, so konnte man daran gehen, in den Schacht selbst hinabzustcigcn und den reichen Inhalt genauer zu erforschen, wie in einer nächsten Mittheilung Ihnen zu zeigen meine Absicht ist. Briefe aus Prag. II. Die Geschichte gehet, wie ein geistreicher Geschichtschreiber bemerkt, über Zeiten in denen friedliche Fürsten regierten gewöhnlich kurz weg, und dieses Schweigen bezeichnet die glücklichsten Perioden. Diese Bemerkung tritt uns auch da entgegen, wo die äußeren Verhältnisse der Inden wenig Stoff zu Berichten geben: es liegt hierin das Kennzeichen, daß ihre Stellung ausgehört habe eine Sonderstellung zu sein. Möge allenthalben bald die Zeit kommen, wo nicht mehr eine Geschichte der Zu d en, sondern eine Geschichte des Judenthums zu erzählen sein wird! lieber die politischen Beziehungen der Juden in Böhmen hat mein früherer Brief mit besonderer Berücksichtigung Prags erzählt^). Die folgenden Briese können sich nun ausschließlich den inneren, d., i. den religiösen Zuständen zuwenden; und sie sollen ein möglichst treues Bild der Cultus- und Schulzustände darstellen. Hier bildet natürlich zwar Prag den Mittelpunkt; ich will jedoch versuchen einen allgemeinen Ausgangspunkt zu gewinnen und nn das, sämmtlichen Israeliten Böhmens Gemeinschaftliche anzuknüpfen. — Böhmen zählt etwa 40—5000.0 Juden: 10 —12000 leben in Prag und machen die dortige Gemeinde, die andern wohnen auf dem flachen Lande in größeren und kleineren ') Vgl. Januarheft S. 22 ff.