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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 3 · p. Seite 94

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 3
Article
Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
Date
1853-01-01
Page
Seite 94 (sequence 13)
Language
German
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93 Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. in dem Sinne gelten lassen, daß in Folge des literarischen Auftretend jener Männer, die Stadie des Verfalls, worein der Rabbinismus versunken war, ihrem Ende zugeführt wurde, so ist allenfalls nichts dagegen einzuwenden. Wenn aber u. A. gesagt wird ״daß Mendelssohn seine Thätigkeit dahin richtcte der Religion der Juden eine andre Grundlage zu geben u. s. w.", ferner ״sie zu vergeistigen, zu erheben und mit ihr seine Glaubensgenossen aus der Finstcrniß heranszureißcn und viele Vorurtheile zu verscheuchen", weshalb M. ״als Urheber des Gegensatzes zum Rabbinismus zu betrachten sei" (Jost, Gesch. d. Jsr. Thl. 9, S. 65), so muß ich dagegen anfuhrc», daß Letzteres (Vergeistigung der Religion und Beseitigung vieler Vorurtheile u. s. w.) nicht antirabbinisch zn nennen ist, sondern dies vielmehr auch das Streben aller in das Indenthum wirklich tief eingcdrungener rabbinischer Soinmitätcn jeder Periode war, von Hillel (der allgemeine Menschenliebe für die Hauptreligionspsticht erklärte) bis auf Jakob Emden (der auch manche Moralsätze der christlichen Religionsurkunden emporhebt)! Was aber Erst eres betrifft, so lag es durchaus nicht im Sinne Mendclssohn's der jüdischen Religion eine andre Grundläge geben zu »vollen; er strebte vielmehr dahin zu zeigen, daß ihre alte Grundlage allein diejenige sei, welche ihr zukomme. Dies hat er nicht nur in seinem Werke Jerusalem auseinandergesctzt, sondern noch deutlicher und zweifelloser in einem Privatschreiben an Herz Homberg vom 22. Seht, 1783 (M. ges. Schriften, Lcipz. 1844, Bd. 5, S. 669). Er spricht darin von der Notwendigkeit religiöser Vereinigungen für alle Zeiten und fügt dann hinzu: ״Und »vorin soll diese Verbindung bestehen? In Grundsätzen und Meinungen? Da haben »vir Glaubensartikel, Symbole, Formeln, die,Vernunft in Fesseln. Also Handlungen, und z»var bedeutende Handlungen, d. i. Cer emonien. Unsere Bemühung sollte eigentlich nur dahin gehen, den cingerissenen Mißbrauch abzuschaffen, u»»d den Ceremomen echte gediegene Bedeutung untcrzulegen u. s. iv." — Soll dies etwa eine andere Grundlage als die alte sein? Vergessen »vir aber nicht, daß Moses Nachmanides und so viele fromme Männer der Vorzeit ganz derselben Meinung huldigten und ebenfalls durch ihre Schriften dahin wirkten, die Ceremoiiien in ״echter gediegener Bedeutung" erkennen zu lassen. Diesen hohen Vorbildern strebte Mendelssohn nach; je nach dem Standpunkte, den seine Zeit und seine Umgebung ihm einzunehmen

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