Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 11)
- Language
- German
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91 Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. von Hm gewichen war, sollte wieder hincinkommen, aber kein fremder Geist es beherrschen. Eine mehrtausendjährige Geschichte hat gezeigt, daß fremde Prkncipken nnd Anschauungen an sich im Jndenthume niemals heimisch werden konnten. In den Fällen, wo es schien als spiegelten sich fremde Anschauungen in den einheimischen Doctrinen ab, da waren es im Grunde gar keine fremdartige, sondern sie unterschieden sich von den urcignen meist nur durch die Art wie die Menschen zu deren Er׳ kenntniß gelangt waren, durch manches Spccielle in der Auffassung und Ausführung und durch das Gewand der Darstellung. Gewissermaßen eine unbewußte Ahnung dieser Wahrheit liegt in der alten Sage, welche der platonischen und aristoteli- 'schen Philosophie ihren Ursprung in jüdischen Quellen finden läßt. -War ja der Kernpunkt jener Philosophie, insofern sie auf ein höchstes absolutes Wesen hinwies und auf sittliche Veredlung der Menschen drang, auch im Jndenthume gewurzelt; nur daß diese Sätze hier als ״göttlich-gcoffenbart" und dort als ״vernunftmäßig erkannt" hervortraten. Natürlich, daß manche im Grunde doch nur secundaire Vorstellungen von au« ßen hereinkamen und zeitweilig Raum gewannen. Zeigte sich jedoch bei näherem Lichte ihre Heterogenität, so vermochten sie sich nicht zu behaupten und sie identificiren sich nicht mit dem Jndenthume Entweder sie wurden, wie manche platonische Anschauungen, mystisch verarbeitet, zu einer Geheimlehre Potenzirt, als solche aber von dem gesunden Sinne des Volks nie als vollgültige religiöse Doctrin angesehen; oder man pfropfte sie in vollem Bewußtsein ihres fremden Ursprungs künstlich auf die jüdische Lehre. Dies war bekanntlich mit vielen arabischaristotelischen Lehrsätzen der Fall, welches Verfahren jedoch sodann als Ausartung erkannt und nicht nur vom religiösen, sondern auch vom philosophischen Standpunkte als wahrheitswidrig gemkßbilligt wurde. (Vgl. Peripot Duran im Manasse Ephod, mitgctheilt und erläutert von M. Lonsano im Derech Chajim Bl. 91). — Wenn in neuester Zeit versucht worden ist, kantische, hegelianische oder andre philosophische Ideen, die nicht etwa schon im Jndenthume wurzeln, in dasselbe hineinzutragen, so ereilt sie gleiches Schicksal, wie ich in der Folge zu zeigen, noch Gelegenheit haben werde. Anders ist aber der Fall mit der systematischen Auffassung und Erforschung dessen, was wirklich zum Judenthum gehört und in seinen Schriften niedergelegt ist. Wie