Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 89 (sequence 8)
- Language
- German
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88 Die neuere jüdische Liieratur und ihre Bedeutung. einem Abele Gumbknner (Verf. des e<"o) und S ch a L t ai Cohn (ש׳יך) gelungen ivar! — Ein allgemeiner Umschwung der Ideen, Sitten und Verhältnisse war inzwischen bei fast allen europäischen Nationen eingetreten. Die Wissenschaft, früher blos Eigettthum besonderer Kasten und Stände, ward immer mehr Gemeingut aller Volksklaffen; die Connexität der wissenschaftlichen Studien mit der herrschenden Landesreligkon verlor sich nach und nach. Hellere Ansichten über Religion und Menschenrechte, eine Folge der geistigen Bewegung, die in Holland, England 3) und Frankreich schon im 17. Jahrhundert sich vorbereitet hatte, gewannen auch in Deutschland Boden und verfehlten ihre Einwirkung nicht. — Die Juden waren dadurch auch mit der Gegenwart und ihren Anschauungen in nähere Berührung, gekommen; sie bctheiligten sich an größeren geschäftlichen Unternehmungen, die Länder- und Sprachkunde zum Bedürfniß machten. Einzelne widmeten sich medicinischen und philosophischen Studien, wodurch sie in weiteren Kreisen bekannt wurden. Die mehrtausendjährige Abgeschossenheit nach Außen zu verschwand allmälig, aber eine neue Scheidewand drohte nun im Innern sich zu erheben. — Früher gab es innerhalb der jüdischen Gemeinschaft keinen eigentlichen Unterschied zwischen Gebildeten und Ungebildeten, außer dem Vorzuge, den die Beschäftigung mit dem religiösen Gesetze oder Kenntniß der hebräischen Literatur bedingte. Wer in diesen Fächern bewandert war galt als gebildet, der Ignorant (עם הארץ) als ungebildet; wovon höchstens zu Gunsten einzelner reicher Männer und größer Wohlthäter eine Ausnahme gemacht wurde. Dieses Verhältniß änderte sich nunmehr; man begann die Bildung in der Aneignung eines feineren gesellschaftlichen Tons, in Kenntniß fremder Sprachenin richtigerer Betonung der eignen Laudessprache u. s. w. zu suchen. Die jüngere Generation ward dadurch vom Studium des Religionsgesetzes immer mehr abgewendet; besonders hielt man den talmudischen Unterricht, durch die Methode womit er betrieben ward, der sogenannten Bildung nachtheilig. Dem gemeinen Manne und dem weiblichen Geschlechte boten die Erbauungsschriften aus der vorherigen Periode, nach Inhalt und Sprache, auch nicht mehr die Anziehung wie 3) Der Engländer I. L o k e schrieb schon im ¥7, Jahrhundert geg e. n die Ausschließung der Juden von bürgerlichen Rechten. S. Loke's Werke, London 1714. B. II, vgl. auch Schlosser, Gesch. des 18. Jahrhunderts, I. Band.