Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 7)
- Language
- German
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87 Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. desdickicht, der, je enger und einsamer der Pfad wird, je unentwkrrbarer die Zweige, zwischen denen,er sich durchdrängen muß, doch immer mit frischem Muthe seinen Weg fortsetzt, den er für den allein zum Ziele führenden hält. — Das Selbstgefühl, daß man ja doch im Besitze der richtigen Erkenntniß sich befinde, kräftigte den Geist und stärkte das Gemüth. In den vorletzten 200 Jahren traten daher auch noch Männer auf, dercn Schriften geistige Tiefe, ächte Wissenschaftlichkeit und philosophischeö Streben bekunden. Ich nenne Ihnen blos beifpielsweise Lippmann Heller (Verfasser des Tosafot Jomtob und mancher philosophischen und geometrischen Abhandlungen), Joseph ben Isaak aus Lithauen (der im 17. Jahrhunderte den Moreh des Maimonides philosophisch kommentirte), Me» nachem Lonsano, Joseph Candia, Tobias Cohen (Vers, des סעשה טובי), D. Nieto 11. s. — Auch für die Volksbelehrung und Erbauung ward zu jener Zeit durch Uebersetzungen kn die jüdisch-deutsche Mnndart und Abfassung eigner Schriften in diesem Idiome noch heilsam gewirkt. Aber um die Mitte des vorigen Jahrhunderts entschwand der wissenschaftliche Geist fast gänzlich ans den literarischen Productionen. Die philosophischen Argumente, wo sie noch vorkamen, wurden seicht und veraltet; die Kabbala, ohnehin in Sectirerei verfallen, war ganz obstrus geworden. Bibelexegetische sowie religiös-moralische Abhandlungen und Vorträge sanken zu eitlen Witzübungen herab; der hebräische Styl war, durch Ueberhäufung mit Chaldäismen und talmudischen Musivstellen, vollends ausgeartet. Selbst in der praktischen Halacha war ein Stillstand wahrzunehmen; kein Gesetzlehrcr oder Scholiast des 18. Jahrhunderts vermochte sich mehr zu der allgemeinen Autorität emporzuschwingen, wie dies im 17. Jahrhundert noch 2) Spin o z a's Werke gehören nicht Ln den Bereich der jüdischen Literatur, obwohl Spinoza's Geist aus alteren jüd» Autoren Nahrung erhalten hatte. — Manasseh ben Israel war eigentlich blos gelehrter Reproductor und Jakob Emden, der allerdings viel kritischen Geist besaß, gehört schon Ln die Morgendämmerung der folgenden Periode. — Leo Hebraeus (Juda Abarbanel) und Asaria dei Nossi, den großen Kritiker, rechne ich hingegen noch zu der vorhergegangenen glanzvollen Epoche, deren Epigonen sie waren. — Ueber L e o da Modena aber will ich jetzt schweigen die Akten über ihn geschloffen sein werden, doch gedenke ich im Verfolg dieser Briefe noch auf ihn zurückzukommen» —-