Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 86 (sequence 5)
- Language
- German
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85 Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. doch gewiß, daß es im 8. Jahrhundert bereits in der uns vorliegenden Form exlstirte; sein Inhalt aber beweist, daß philosophische Grammatik und transcendentale Erkenntniß Gegenstände waren, worein man sich gern tief versenkte. So sehen wir denn Bibelexegese und religiöse Dogmatik bald ebenfalls als Hauptgruppen in der jüdischen Literatur. — Sie kennen die gediegnen ja klassisch zu nennenden Erzeugnisse, welche diesem Gebiete entsprossen sind. Die Namen Kimchi (hebr. Grammatik) und JLn Esra (philosophisch - kritische Bibelexegese), Salomon ben Gebirol und Iehuda ha-Levi (Poesie und Religionsphilosophie), endlich Maimonides und Levk ben Gerson (Metaphysik und höhere Exegese) und die so vieler anderer Männer bis zum 14. Jahrhundert (wo im christlichen Europa die. Wissenschaft in einen Todcsschlaf versunken war), werden ihren Ruhm zu allen Zeiten behaupten. Man gehe nur in ihre Werke tiefer ein, um deren Geist wahrhaft zu würdigen! — Auch in dem, was die kabbalistische Mystik von jener Zeit uns spendet, wird . sich manche tiefe Wahrheit auffinden lassen. Entsprang ja auch sie dem Drange, über den Grund der Dinge höhere Belehrung zu erhalten! — Aus jenen beiden Bereichen gemeinschaftlich aber ergoß sich ein breiter und schöner Strom: die Volksliteratur. Die Resultate der Forschungen in den bezei'chneten Gebieten wurden für das Volk zur Belehruug und Erhebung, zur Sinnesstärkung und Willenskräftigung, überhaupt zur Förderung von Sitte und Frömmigkeit sowie nicht minder zur Erheiterung und Tröstung, in׳ den mannichfachsten, dem jewelligen Bildungsgrade entsprechenden Formen bearbeitet. Man beschränkte sich aber hierbei nicht blos den Stoff in populärem Gewände wiederzugeben, sondern bereicherte ihn häufig mit neuen Ideen, fügte eine geistreiche Ausführung hinzu, so daß intelligente Leser hierin wieder Anlaß fanden zu neuen For« schungen. — Sv wuchs jene vierte Gruppe nach und nach zu einem, anmuthigcn Haine heran, der den von Druck und Fanatismus umhergehetzten Opfern fast die einzige Erholung war! Ward man schon durch die Beschäftigung mit Religions- Philosophie, durch den Besuch der arabischen Schulen und durch so manche andere äußere Verhältnisse, deren Darstellung in eine ausführliche Geschichte der Juden und des Judenthums