Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 4)
- Language
- German
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84 Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. übrigens fast alle Themate der h. Schrift, sowohl halachische (zur Gcsetzkunde) als hagadische (zur Erbauung), besprochen, und man supplirte dadurch die Bibelforschung (Vgl. Tosafot zu Sanhedr. 24" und Kiduschin 30"). — Der Ausspruch, daß die Gegenwart Gottes (als höchsten Gesetzgebers) jetzt nur in dem engbegränzten Raume , der Halacha (der Beschäftigung mit der religiösen Gesctzkenntniß) anzütreffen sei, (אין לו להקנ׳יה בעולמו אלא ד' אמות של הלכה) ward auf diese Weise buchstäblich aufgefaßt. — Die halachischen Schriften bildeten darum, selbst als in der Folge — wie Sie bald sehen werden — der Gesichtskreis sich wieder erweiterte, stets einen wesentlichen Bestandtheil der jüdischen Literatur, nachdem die Thätigkeit einmal dahin gelenkt war. Wie aber ein Extrem gewöhnlich das entgegengesetzte hervorruft, so ging es auch hier. Die Vernachlässigung selbstständiger Bibelforschung und gänzliche Hingebung an die als ״festgehaltene Tradition" hochverehrten und sogar heilig gehaltenen Schriften rief, nebst noch manchen hinzugetretenen äußeren Anlassen, die Bildung einer Secte hervor, welche gerade die Ueberlieferung in der vorliegenden Form negirte, dahingegen auf unmittelbare Bibelforschung drang; dies war die Secte der Karäer (um 750 nach der chr. Zeitr.). — Nicht blos die Bekämpfung der karäischen Ansichten, wie Einige annehmen, sondern vielmehr wohl noch gründlicheres Eindringen in Wesen und Princip der Tradition, wozu jene Kämpfe allerdings angeregt haben mögen, führte immer entschiedener zu der Ueberzeugung, daß eine auf grammatische Regeln Lasirte Bibelexegese, sowie das Bestreben, über die Wahrheiten und Lehrsätze der Religion eine gewisse Klarheit zu verschaffen, vom ״traditionellen Standpunkte" oder — wie man solchen nun im Gegensätze zu dem entstandenen Karäismus nannte — vom ״ Rabbinismus" keineswegs ausgeschlosseir seien. — Das der Wort sinn der Bibel (פשוטו של מקרא) auch im Talmud häufig berücksichtigt sei, ferner daß manche philosophische Doctrinen alter griechischer Weisen, wenn auch in poetisch-allegorischer Umhüllung, von den Trägern der Tradition ausgestellt worden waren, mußte bei wissenschaftlichem Einblick bald sich ergeben. Selbst in Form und Anlage eigentlich halachischer Werke näherte man sich bald wieder der biblischen Ordnung und wies dadurch schon auf Bibelstudium hin; wie ein noch erhaltenes Werk aus dem 8. Jahrhundert (die Scheeltoth d. R. Achai) bezeugt. So dunkel auch der Ursprung des Buches Jezira noch ist, so viel ist