Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 2)
- Language
- German
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82 Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. gebaut; die übrigen Wissensgegeustände sind thcils darunter mit begriffen, theils lassen sie sich als Nebenfächer anrcihen. Als solche hervortretende Gruppen bezeichne ich Ihnen: a.) Die halachischeu Schriften, in ihren verschiedenen Abzweigungen, wie ich selbige in meinem vorigen Schreiben zu skizziren versuchte; wozu auch noch die talmudische Methodologie (Samuel Ha-Nagld, Simson von Chinon u. s. w.) und Lexikographie (Nathan ben Jcchiel u. s. w.) zu zählen sind, da das halachische Priucip (das Bedürfniß, über Gegenstände, die auf Gesetzpraxis Einfluß haben, sich Klarheit zu verschaffen) bei Abfassung dieser Werke meist vorwaltete. b) Bibelexegese, Sprachforschung und hebräische Poesie. - e) Religiöse Dogmatik, nach zwei Richtungen hin, der rational-philosophischen und der mystisch-kabbalistischen. — Insofern äußere Angriffe abzuwehren waren, gehört auch Polemik hierzu; die Schriften dieser Art sind jedoch ihrer Anzahl nach nicht so bedeutend. 6) Ethische und erbauende Schriften; nach den mancherlei Abstufungen der Volksbestandtheile und den Bedürfnissen der Zeit als paraphrastische und den Text erweiternde Bibelanslcgungen, als Bearbeitungen oder Erläuterungen der alten Hagada und der Midraschim, als besondere moralische Lehrbücher, Abhandlungen, Vorträge, Poesien u. s. w., als Gebetstücke in der reichsten Fülle, als Sagen und Erzählungen u. s. w. e) Die formalen und externen Wissenschaften, als Logik, Physik, Anatomie, Arithmetik, Geometrie, Astronomie und zuweilen die früher damit verbundene Astrologie, Chronologie, Geschichte, Geographie, Länderkunde u. s. w. Daß die jüdische Literatur nach den genannten Fächern hin vornehmlich sich entwickelte-, war — gleichwie Form und Inhalt des einzelnen Gegebnen — mit dem ganzen Bildungsgänge innerlich zusammenhängend, wie ich eben zeigen werde. Vor Aufzeichnung der Tradition war unablässiges Studium der heil. Schrift das nothwendigste Erfordernis' der geistigen Bildung in Israel. Die alte auf Esra zurückgeführte Institution, nicht blos am Sabbat, sondern auch an bestimmten Wochentagen im mosaischen Gesetze öffentlich vorznlesen, „damit man nicht drei Tage ohne Lehre sei" (Baba Kamma 82") beweist schon, welchen hohen Werth auf die immerwährende Beschäftigung mit der h. Schrift gelegt wurde. Oeftere Wiederholung und Aneignung der traditionellen Sätze und Lehren, die ja auch