Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 1)
- Language
- German
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Die neuere Mische Literatur und ihre Bedeutung. In Briefen von vr. B. Beer. II. Am Schlüsse meiner jüngsten Mitteilung hatte ich Ihnen angcdeutet, daß, um in dem Stand zu sein, der neuren jüdischen Literatur in ihren Einzelnheiten zu folgen, deren Mängel und Vorzüge unbefangen zu würdigen und sodann über ihre Tendenz und Zukunft ein klares Bild sich machen zu können, ein Rückblick auf die frühere Bücher- und Schriftcnwelt innerhalb des Jndenthums vorhergehen müsse. Gleichwie in der Natur der Ast eines Baumes nur dann frische Knospen treibt und ferner Früchte trägt, wenn er mit seinem Stamme in Verbindung bleibt, von ihm Lebenssäfte empfängt, so auch im Reiche des Geistes. Ist überhaupt Originalität kein Glanzpunkt unserer Zeit, knüpft auch die Wissenschaft in unseren Tagen meist an die Vergangenheit an, verwendet sie ihre Hauptkrast in Untersuchungen über das Bestandene und Hergebrachte, entweder um etwas Anderes an dessen Stelle zu bringen oder um das Alte mit neuen Gründen zu stützen; muß dies dann nicht um so mehr der Fall sein im Bereiche einer Literatur, die aus bestimmter religiös - nationaler Entwickelung hcrvorgcgangcn ist? — Jene Worte des Dichters „Zu schauen wie vor uns ein weiser Mann gedacht, Und wie wir's dann zuletzt so herrlich weit gebracht" (Wagner in G^-the's Faust.) sind fürwahr auf diesem Gebiete nicht als Ironie auszufasfen, denn „aus dem Alten immer Neues entwickelnd" manifestirt sich hier der Geist, wie ich schon sagte. Vor Allem müssen wir uns mach dem Alten nmsehen, nm genau zu ermessen, was das Neue werden konnte, was es ist und werden soll. Umfassen wir das ganze jüdische Schriftenthum, wie es seit Abschluß des Talmuds und der Midraschim (dies sind erklärende und erbauende Vorträge oder Fragmente derselben über fast alle Thcile der Heiligen Schrift, meist in Form von.Aussprüchen talmudischer Autoren) bis nach der Mitte des vorigen Jahrhunderts, also in einem Zeiträume von ohngefähr Tausend Jahren, sich gestaltet hatte, so finden wir darin etwa fünf Hauptfächer aus- Frankel, Monatsschrift H. 7