Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Essäer nach talmudischen Quellen
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 3)
- Language
- German
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Wiffcnfchasttichc Aussätze. 63 aber selbst, wie von Manchen gemuthmaßt wird, in tf;ucn die Andeutung aus höhere Seelenreinigung und Neinheit liegen^), so sind sie nur als Vorbereitung und Uebergang zur Seelenerhebung hingcstellt, als Anzeichen, den höhern Theil nicht durch Sinnlichkeit und Genüsse zu entwürdigen. Der Essäismus aber erhob die körperliche Reinhaltung zu einer selbstständigen Potenz-, und brachte Reinheit und Erhebung des Geistes mit ihr in unmittelbaren Zusammenhang; darum ging er auch weit über die Schrift hinaus: die Schrift hatte die Reinhaltung nur für gewisse Fälle (Genuß der Opferstücke ff.) vorgeschrieben, der Essaismus hielt sich für gewöhnlich im täglichen Leben auf dieser hohen und sogar noch auf einer höhern Stuft (der vierten טהרה חטאת), und dieses nicht als präservirend — um bei vorkommenden Fällen, nichts im Genüsse der Qpferstücke zu versehen — sondern wie aus. Josephus wahrzunehmen; als absolut verbindend; und daß Josephus hier nicht übertrieben, beweiset eben dieses Halten auf der vierten seltener vorkommenden Stuft, das bei den Mischualehrern nicht gefunden, und bei denen schon das Halten auf der dritten Stufe (טהרה קורש), als seltenes Beispiel angeführt wird (Chagiga18). — Dieser gesteigerte Essais mus hatte Wunder zur Folge, .deren schädlicher Einfluß sich in einer Zeit, die noch nicht dem Wunderglauben entwachsen war, weniger bemerkbar machte. Auch wurden die Wunder nur in den wenigsten Fällen vor der Oeffentlichkeit ausgeführt: und es zeigen die Worte des Simon ben Schetach an den wunderthätigen Lhoni (Taanit 18), daß wenn Solches geschah, man es nicht an Rügen fehlen ließ. Aber der Essaismus hatte eine noch weit bedrohlichere Seite. Das Leben des Judenthums war zu aller Zeit die Forschung: der Geist soll sich frei in der Sphäre des Gesetzes bewegen, es nach der dem menschlichen Geiste natürlichen Urtheils- und Schlußsolge interpretiren und die Anwendung finden: eine Inspiration, eine höhere Eingebung vermag keinen Ausschlag zu geben. ״Die Lehre ist nicht im Himmel" war die von eigentlicher Würdigung getragene selbstbewußte Antwort, als man einst bei einer Meinungsverschiedenheit einen wunderbaren Ausspruch als Schiedsrichter anrufen wollte (Baba Mezia 56). Auf dem Wege des Essäismus, dessen Charakterzeichen eine durch Aseetik vermittelte Verbindung mit dem Himmel ist, würde das Gesetz zum Himmel zurnckgeführt worden sein; wo Theosophie und ihr entsprechende Lehren die Agentien bilden, wird die selbstständige Meditation aus ihrem Rechte verdrängt: eine höhere Vision .oder der Ausspruch eines mit höhern Visionen Vertrauten (Heiligen) giebt in zweifelhaften Fällen die Entscheidung. Essäis- 4) Dgl. Maim. MLkwcwt zu Ende.