Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Neueste Mittheilungen über eine Judengemeinde in China
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829150-2829153-2852125--00819-2852161- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
88 Eine Judeng<;meinde in China. die Originale nicht zu Hand find, findet einen genügenden Auszug in Delitzsch, Gesch. der jüdischen Poesie S. 59*). Ueber die Juden erfahren wir, daß sie zwar in strenger Abgeschiedenheit von Muhamedanern und Heiden leben, aber viele Neligionsgebrauche nach der ersten, spater widerrufenen Angabe sogar die Beschneidung — verloren, und seit vor etwa 50 Jahren der letzte Rabbi gestorben, Niemanden haben, der ihre heiligen Bücher lesen kann. (So schon Kögler). Und doch diente der mitgebrachte hebräische Brief, dessen Charaktere sie mit anderen älteren Documenten auswärtiger Correspondenz verglichen, unfern Reisenden als eine Art von Legitimation! Sie gaben sich, wie es scheint für Neligionsgenoffen aus, und erhielten demzufolge Zutritt in die Synagoge, von deren Wänden und Tafeln sie viele chinesische und einige hebräische Inschriften copirten, wurden aber mitten in dieser Arbeit von einem alten Manne ,,of the Sew-tsae dass, a literary graduate“, der UNversehens hinzukam und den wahren Charakter der Gäste zu wittern schien, unterbrochen, und ohne Umstände hinausgewiesen. Sie waren indeß bei den Andern glücklicher und kauften mehre hebräische Mscr., meist Fragmente des Pentateuch; hatte doch die grenzenlose Armuth der unglücklichen Juden sie früher schon zu ähnlichen Opfern, ja sogar zum Verkauf einzelner Materialien der Synagoge genöthigt. Bei dem zweiten Besuche erwarben die Agenten noch mehrere Mscr. — vielleicht den ganzen Nest der Handschriften — unter andern 6 vollständige Pentateuchrollen (סח), und 40 kleine Bücher ״die vielleicht über die Geschichte der Kolonie Auskunft geben dürften" (?). Die Reisenden selbst verstanden kein Hebräisch — darin gleichen sie Gozani — man hatte ihnen ein hebräisches Alphabet zur Orientirung mitgegeben, und sie konnten nicht begreifen, warum in einer der chinesischen Inschriften die Zahl der heiligen Buchstaben auf 27 bestimmt war, und erst den englischen Gelehrten war es Vorbehalten, die außerordentliche Entdeckung zu machen, daß bei den persischen Juden die Endbuchstaben zu den übrigen gezählt würden. Wie weit es nun die Herausgeber in der Kunde des Hebräischen gebracht, erhellt aus den Papieren einiger Inschriften der Synagoge (unter denen שמע; ישראל und בשכמ׳לו zweimal Vorkommen) die mit der englischen Uebersetzung wie folgt lauten: .1 בי כי שמו כי ... .**) אלהי האלהים ״Inafable is bis name, for Jehovah is the God of Gods" ף Daselbst sind noch mehrere Notizen aus den Schriften der oben erwähnten älteren Reifenden nntgctheilr. B. **) Ich habe für das Lctragrammaton überall Punkte gesetzt. Z.