Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 13)
- Language
- German
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53 Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. stellten, auch noch in einer Masse' von Gutachtensammlungen erläutert und entschieden werden, versteht sich von selbst und ist eben Folge der Gcistesrührigkeit, von der das Wesen des Judenthums nothwendig durchdrungen ist. Es gibt daher kein abgeschlossenes Judenthum in dem Sinne, daß selbst der Orthodoxeste sollte behaupten Wunen „die alten Bücher genügen." — Nicht nur daß jede Zeit neue Fälle zur Entscheidung brachte und bringt, neue Fragen anregt, die zwar immer im «alten Sinne aber mit neuem Geiste zu behandeln sind, sondern auch Form und Auffassung, Methode und Darstellung wechselten und immer neue Pforten des Lichts öffneten und öffnen sich zur Aufhellung des alten, von Gott geoffenbarten Worts. — „Die Thora wurde nicht den Engeln mitgetheilt"; dieser talmudische Ausspruch will unter Andern auch besagen, daß eben, weil wir keine Engel, keine vollkommnen Wesen sind, deren Intelligenz die Gränze des Erforschbaren schon erreicht hat und dort in ewiger Verklärung stillsteht, sondern mit einem von äußern wandelbaren Eindrücken abhängigen, der Bewegung und dem Forschritte zugänglichen Geiste begabt sind, wie der Prophet (Zach. 3, 7.) den Menschengeist bezeichnet „ich gebe dir Wandel zwischen jenen Stehenden (den Engeln)", darum die Erforschungsweise der göttlichen Lehre auch nicht stationär und abgeschlossen bleiben darf, sondern immer neue Formen in Anwendung kommen, neue Duellen bearbeitet und neue Lebensadern in ihr ausgesucht werden müssen. Hatte jede der verschiedenen Phasen, welche das Judenthum durchlief, der Lehre eilte neue cigenthümliche Seite abzugewinncn vermocht, gewährte jede einen andern Anknüpfungspunkt hierzu, so ist es nicht minder auch die Heuere Zeit welche neuen Stoff und frische Lebensmomente bietet, die alte jüdische Lehre im Ganzen und Einzelnen aufs Neue dnrchzuarbeiten; nicht etwa, um das Alte niederzureißcn, sondern um es zu befestigen. — Alls einem meiner nächsten Briefe sollen Sie u. A. ersehen, wie dunkel ja fast unentwirrbar viele Stellen in den alten Werken dadurch wurden, daß man über Ursprung, Abfassungszeit und Autoren thcils ganz im Unklaren war, theils diese Kenntniß zu wenig beachtete, welche unrichtige Folgerungen auch für die orthodoxe Praxis zuweilen hervorgingen, wie dies schon von manchen Meistern der alten Zeit anerkannt worden war. Hat die neue Zeit sich nun mit Vorliebe besonders auf die Leregten Gegenstände gelegt, hat darüber Licht zu verschaffen gesucht, so wird