Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 12)
- Language
- German
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52 Die »cum jüdische Literatur und ihre Bedeutung. des vorigen Jahrhunderts ihren Gipfelpunkt erreichten, und man sich seitdem auch in talmudisch -halachischer Beziehung mehr zu dem sachlichen Wissen (בקיאות) hinneigt, jene dialektischen Hebungen aber nur als Phänomene des Geistes betrachtet. Eben so variirend und mit immer sich neu kundthuendem Geiste ward die Form gehandhabt, das ans den Studien und Diskussionen für die Praxis gewonnene reine Resultat für Lehrer, Lernende und Volk in geläufiger Weise darznstellcn. Sagte ich Ihnen vorhin, daß in früheren Jahrhunderten die tälmudische Reihenfolge hierzu beliebt ward und aus den meisten talmudischcn Tractaten Extracte verfaßt wurden, die sich auf die Normen zur Praxis beschränkten, woran sich einzelne Werke anschlossen, die entweder die religionsgesetzlichcn Vorschriften nach pentatcuchischer Ordnung oder nach einer eigcnthümlichen in Gebote und Verbote zerfallende Eintheilung behandelten, so war es hingegen der große Mai mo nid es, der, wie in Erforschung und Fixirnng der hochsten philosophischen Wahrheiten, so auch in Darstellung der aus Bibel und Tradition entnommenen jüdischen Neligions-, Ritual- und Rechtsgesctze eine neue originelle Bahn eroffnetc. Das ganze Material dieser Vorschriften, ohne Rücksicht ob noch gültig oder seit Zerstörung des Tempels zn Jerusalem außer Anwendung gekommen, ward von ihm in einem mit systematischem Geiste kombiuirten vollständigen Codex zusammengefaßt und in kurzen faßlichen Sätzen — paragraphisch geordnet — apodiktisch hingestellt. Dct er jedoch eine Motivirungder in seinen Codex ausgenommenen Sätze unterlassen hatte oder vielmehr vor deren Bearbeitnng mit Tode (im Jahre 1204) abgegangen war, so mußte natürlich die Aufsuchung der Motiven zu vielen Bestimmungen, von denen man die Quellen nicht aufzufinden wußte oder worin man Widersprüche zu sehen glaubte, neue Disputationen und Ungewißheiten in der Praxis veranlassen, und es ward daher ums Jahr 1340 von R.Jacob ben Ascher, aus Toledo, aber deutscher Abstammung, ein neuer, zwar blos die noch anwendbaren Ritual- und Rechtsvorschriften enthaltender, aber eine kurze Begründung und Darstellung der abtockchenden Meinungen zugleich involvirender Codex, in vier Hauptthcilc zerfallend, (Arba Turim) ab gefaßt, der auch der späteren Umarbeitung desselben durch R. Joseph Karo (1363) als Grundlage diente. Daß diese verschiedenen Codices wieder Commentare, Supercommentare, Glossen nnd Scholien veranlaßten, und außerdem die verhandelten Gegenstände, je nachdem sie sich eoncret dar-