Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 11)
- Language
- German
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Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. 51 niedergelegt, thcils ausführlicher in besonderen Werken gesammelt, die weder sämmtlich, noch vollständig zu uns gelangt sind °). — Wie aber manche Probleme in der Mathematik Brüche übrig lassen, die man vergeblich ganz wegznbringen im Stande ist, und denkende Köpfe, wenn sie deren Auflösung versuchen, dann nur auf neue Ungleichheiten stoßen, so war es auch im Felde jener Dialektik. — Fragen und Widersprüche, welche Witz und Scharfsinn zu heben sich bemühten, erzeugten wieder neue Einwürfe und Schwierigkeiten. Die Schriften der Scholiasten des 13. und 14. Jahrhunderts wurden daher wieder Stoff und Unterlage zu neuen dialektischen Hebungen, die besonders seit dem 16. Jahrhundert hauptsächlich in den slavischen Ländern an Bedeutung Zunahmen und wobei man den alten Lehrverhandlungen und Diskussionen wieder ganz neue Seiten und Wendungen abzugewinnen wußte, auch nebenbei auf genauere Textkritik der alten talmudischcn Schriften und ihrer früheren Commentatoren und Glossatoren manchen Fleiß verwendete, und hierbei viele einzelne Stellen nicht ohne Kühnheit verbesserte. (Besonders ist hier der 1573 zu Ostrowo in Polen verstorbene R. Salomo Luria hervorzuhebcn.) — Aehnlich wie in der Kriegskunst einzelne Tirailleurkämpfe nach und nach zu einem umfassenderen Systeme sich gestalteten und zusammenhängende Angriffs- oder Vertheidigungspläne daraus sich bildeten, ging es auch in diesem geistig-dialektischen Feldzuge; die einzelnen Einwürfe, Kreuz- und Querfragen und Antworten, die allerdings speciell für das Studium nützlich waren und manche Schwierigkeiten der Lösung näher gebracht hatten, wurden nun in ein ganzes Gewebe zusammcngefaßt, von dem eigentlichen Texte mehr oder minder abstrahirt, die eignen oder von früheren Lehrern ausgestellten Fragen vielmehr als Hauptsache hingestellt, diese erst durch Gegenfragen verwickelt, deren Lösung durch eingelegte Zwischenfragen und Antworten scheinbar versucht, dann aber wieder abgewiesen, bis endlich nach einer oft bis ins Unglaubliche ausgedehnten Anreihung von Einwürsen und Entgegnungen, die erste Frage durch eine aus den Zwischensätzen begründete zuweilen haarscharfe Dkstinc« tion als gelöst erklärt wird. Diese Art von Disputationen wurden nach und nach stehend, bis sie endlich in R. Jonathan Ehbeschütz, R. Ezechiel Landau zu Prag und Andern um Mitte und Ende 3) Vgl. meinen Aufsatz über die Tosasisten in Frankel's Zeitschrift Jahrg. 1846, S. 472 ff.