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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 2 · p. Seite 50

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 2
Article
Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
Date
1853-01-01
Page
Seite 50 (sequence 10)
Language
German
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50 Die neuere jüdische Literatur u»g ihre Bedeutung. Vortragsbücher" (o^wn 'ioo), ivelche zu den Commentarcu ohngefähr wie die mit Ausschmückungen versehenen Paraphrasen zu den eigentlichen Bibelübersetzungen sich verhalten und durch ihren reichhaltigen, zuweilen in alle Wissensfächer einschlägig den Jn- / halt gleichsam Encyktopädieen des jüdischen Wissens abgaben. — Ich übergehe diejenigen Disciplinen, welche ihren formell schrift- > lichen Ausdruck im Judcnthume in besonderen Werken erst nach dem Abschluß des Talmuds fanden, wie Kabbala und Philosophie; es versteht sich Lei ihrer Eigenthümlichkeit von selbst, daß sie mit jeder neuflutenden Zeitströmung eine neue originelle Verarbeitung fanden. Aber auch die Halacha (religiöse Ritual- und Ncchtspra.ris), so feststehend auch ihre Normen waren, welch neuer abwechselnder Formen und Darstcllungswciscn bediente sich nicht der Geist, nicht etwa bloö zur Erklärung und Bearbeitung neuer, in den älteren Werken nicht vorhergesehencr Fälle, sondern um die halachischcn Sätze und Abhandlungen, nach den verschiedenen AuffassuFgcu und Bedürfnissen der Zeiten und Länder, immer zu besserem und gründlicherem Verständnis; zu bringen! — Auf die Gemara, die als Commentar der Mischna (in Verbindung mit den alten Beraita's das erste schriftliche Denkmal der Tradition) sich darstcllt, folgten meist Compcndicn, der talmudischen Reihenfolge sich anschließend aber die alte Diskussion abkürzend oder weglassend, dahingegen neue Fragen und Argumente hinzusügend. Diese erforderten wieder Commentarc mit tief eindringendem Geiste bearbeitet. Die genaue Durchforschung dieses immer neu anschwellenden Materials führte wieder zu den talmudischen Quellen zurück. Aber man war nun schon in andre Zeiten und zum Theil auch andre Gegenden versetzt; der Talmud war für Viele ohne Interpretation schon nicht mehr ganz verständlich. Neue Cornmentare desselben entstanden daher seit der geonäischen Periode, bis auch diese in dem umfassenden des R. Salomo Jizchaki von Tropes (gewöhnt. Raschi oder Jarchi) im 12. Jahrhundert ihren Hoch- und Glanzpunkt erreichten. Doch der Geist vermochte hier nicht still zu stehen; grade dies» Cornmentare boten wieder Anregungen und Anknüpfungspunkte, das ganze Lehrgebict mit neuen scharfsinnigen Discussionen zu beleben. Scheinbare Widersprüche und Inkonsequenzen in den vorliegenden Schriften wurden ausgesucht und mit einem großen Aufwande von Geistesschärfe gelöst und ausgeglichen. Diese neuen Verhandlungen und Disputationen wurden theils abgekürzt in die sogenannten Tosafot oder „Scholien" zur Gemara

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