Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 48 (sequence 8)
- Language
- German
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48 Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. göttlichen Lehre, mithin im Dogma (wenn man es so nennen will) von der Offenbarung des göttlichen Gesetzes oder besser der Lehre mit enthalten. — Eben so wi'e der Ausgangspunkt ist daher auch das Ziel, die Zukunft, die das Judenthnm vor Augen hat, geistig; sowohl diesseits in zu erstrebender Vergeistigung unh Versittlichung der ganzen Menschheit, als jenseits in Erwartung der höchsten geistigen Seligkeit für die Seelen der Frommen und Gerechten, wie dies in den Ihnen wohl bekannten Stellen des Maimonides (Abhandlung „von den Königen" am Schluffe, und Abhandlung „von der Buße" c. 8) so schön dargestcllt wird. — Glaube ich Ihnen also gezeigt zu haben, daß das Judcnthum von seinem Ausgangspunkte bis zu seinem Ziele hin, den Geist im Gegensätze zur Materie unvcrrückt im Auge hat, daß sein Wesen und Beruf darin bestehet, das Geistige von dem Materiellen zu sichten (oder wie die Doxologie sich ansdrückt, das Heilige — weil reingeistig - sittlich--— vom Unheiligcn — weil grobmateriell— zu unterscheiden), Elfteres fcstzuh alten und zur Herrschaft zu bringen bis es einst die ganze Menschheit erfüllt; zielt ein großer Theil seiner Gesetze und Vorschriften ebenfalls auf diese geistige Bestimmung hin, wie Ihnen auseinanderzusetzen mich heute zu weit führen würde: so muß sich aus Allem ergeben, daß ebenso wie das griechisch-römische Heidcnthum der bildenden Kunst, das Christcnthum mindestens der Mitwirkung der schönen Künste zur Entfaltung bedurfte, so erheischt das Judenthum geistige Mitthcilung, Ausströmung durch Wort und Schrift; eine Literatur ist daher vom Judenthume unzertrennlich und bildet gleichsam dessen,nothwendigcn Abdruck. — Soll aber die Literatur so zu sagen eine schriftliche Interpretation des Geistes darstellen, so darf sie keine abgeschlossene sein; sie darf sich nicht auf einen Zeitraum beschränken, von dem die späteren Zeiten nur aufnehmen, ohne mit eignem Geiste hinzuzuthun, sondern diese müssen das aus dem alten tiefen Schachte Gewonnene immer aufs Neue verarbeiten und in glänzendes Erz nmsetzen. Alle die Ideen und Auffassungen, Begriffe und Sätze, Wahrnehmungen und Erfahrungen, die im Bereiche derjüdischen Lehre und des jüdischen Lebens sich kundgaben oder Raum gewannen, insofern sie sich als Product des das Judenthum beherrschenden Geistes darstellen, sind integrirende Theile des Judenthums und müssen in dessen Literatur Vertretung finden. Auch die Meinungen der Minoritäten werden