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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1853-01-01 · Heft 2 · p. Seite 46

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
2 (1853)
Issue
Heft 2
Article
Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
Date
1853-01-01
Page
Seite 46 (sequence 6)
Language
German
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46 Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. statt, sondern durch Propheten, also geistig, sich offenbarte; aber diese Auffassung ward nicht consequent durchgeführt, materielle Mittel tvurden zur Ausbreitung der Lehre angewendet und die Anschauung der Zukunft ist materiell. Die Literatur des Jslams, so nothwendig sie daher auch zur Darstellung seiner geistigen Begriffe gehörte und so bedeutend sie in den ersten Jahrhunderten nach seinem Entstehen war, konnte sich darum doch auf diesem Höhepunkte nicht erhalten, sondern mußte, wie die Lehre, die sie reproducirte, in materielle Stagnation versinken. Das Judenthum hingegen beginnt nicht uur damit, ein höchstes geistiges Wesen — Gott — als Princip alles Seins hinzustcllcn, es hält nicht nur consequent daran fest, diesem höchsten Wesen in Wirklichkeit alle und jede körperlichen Attribute abzusprechen und jede bildliche Vorstellung von demselben abzuweisen, sondern es erkennt auch als Art und Weise wie Gott dem Menschen sich offenbarte, wie er seine Gebote, das sind die Pflichten die der Mensch zu beobachten hat kundthat, blos die geistige an. Wie konnte aber das was der Geist dem Geiste mittheilte anders eine Form erhalten, als in Worten, und diese, wie anders aufbewahrt werden, als in Schriften? Die göttliche Lehre, die heilige Schrift, als Inbegriff der wichtigstcn Wahrheiten und Lehren, die der menschliche Geist vom höchsten Geiste empfangen hat, also gewissermaßen der in Worten gefaßte Geist, ist darum — wie die Altrabbincn sinnreichallegorisch sich ausdrncken, ״der ganzen, materiellen Schöpfung vorangegangen" (התורה קדמה לבריית עולם , Bereschith rabba c. 1); denn die ganze Natur wird vom Geiste bedingt! Aber noch mehr, auch ״dem Throne der göttlichen Majestät ist die Lehre vorangegangen" (התורה קרמה לכסא הכבוד) das heißt ״Gott mußte erst geistig, wie er sich in seiner Lehre kundgibt, erkannt werden, ehe wir ihn aus seiner Wirksamkeit in der Natur (d. i. der Thron der göttlichen Majestät, vgl. Moreh Nebuchim I, 9.) zu erfassen im Stande sind"־). — Damit nun aber dieser in Worten gleichsam 2) Wenn in der angezogenen Midraschstelle und mit einigen Abweichungen auch im Talmud Pesachim 54a, Nedarim 39b noch mehrere Gegenstände als der Welt vorhergegangen bezeichnet werden, so sind diese ebenfalls blos als Träger des Geistes zu fassen, d. h. es sind Wesen oder Begriffe, die zur Manifestirung, Festhaltung und Verklärung des göttlichen Geistes auf Erben nothwendig waren oder sind. Vgl. besonders Jacob b. Chabib in der Vorrede zu En Jacob. —

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