Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 5)
- Language
- German
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45 Die »euere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. und Charaktere, der Kämpfe und Zustände der Altvordcrcn ivar es, die nebst der einfach-erhabenen poetischen Form für ihren Inhalt vornehmlich begeisterte. Das Christenthnm, nach seinem Auftreten das Heidcnthnm zu bewältigen sich berufen fühlend und es daher theilweise in sich aufzunehmcn genöthigt, konnte sich auch von einem materiellen Ausgangspunkte nicht trennen-. Ist ihm die Gottheit zwar nicht partiell oder räumlich begrenzt, so manifestirt sic sich ihm doch eigentlich erst durch Inkarnation. Nicht der Geist an sich, sondern erst in seiner Menschwerdung, in seiner Umschließung von einer körperlichen Hülle ist ihm das Höchste. (Vgl. Lutterbeck/ die ncutestamcntlichen Lehrbcgriffe I, 138.) Offenbarung durch Wort und Schrift stehet darum im Christenthume der sichtbaren Erscheinung des höchsten Wesens in der Siunmwelt nach. Die erhabenen Kunstgcbilde, die hohen Dome, welche das Mittelalter erstehen sah, waren darum reinere und zuverlässigere Träger des damaligen Christenthnms als seine, doch nur ein Amalgam jüdischer und heidnisch-philosophischer Begriffe bildende Literatur. Und das europäische Schriftenthum, das seit Wiederherstellung der Wissenschaften im 15. Jahrhunderte zu neuer Glorie sich erhob, ist, obwohl Jdcenentfaltüngen und Ereignisse, die im Gebiete des Christenthnms vorgingen (wie z. B. die Reformation), es zuweilen trugen und beförderten, doch ein speckfischchristlichcs nicht zu nennen. — Nichtsdestoweniger will auch das Christenthnm die geistig-sittliche Erhebung der Menschheit erzielen und seine Hoffnungen find auf eine geistige Zukunft gerichtet. Um aber diese Aufgabe zu vollbringen und zur Religion des Geistes sich wirklich zu potenziren, wird es manches Materielle und Exclusive, Anklänge seiner früheren Phasen, abzustreifen haben. So sind z. B. Begriffe von einem „christlichen Staate", der andre Glaubcnsbekenner von gewissen Rechten ausschlicßt, Auswüchse des heidnischen Volksparticularismus, ganz folgewidrig auf den geistig-universalen Boden verpflanzt, den zu bebauen das Christenthum sich bestrebt; dergleichen Anschauungen sind daher Rückfälle zu seinem materiellen Ausgangspunkte'). Der Islam stehet gewissermaßen im Gegensätze zum Christenthume. Sein Ausgangspunkt war reingeistig, Gott ist ihm ein einziges, unsichtbares Wesen, das nicht in einer Körperge- 1> Bgl. übrigens was der Hr. Herausgeber im vorigen Hefte S, 7 ff. über das Unangemessene eines sogenannten „christlichen Staats "ausführlicher brachte.