Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 2 (1853)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
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44 Die neuere jüdische Literatur und ihre Bedeutung. als nützliches Ferment bildet, das kein Gebildeter unbeachtet lassen darf. Da Sie mir volle Freiheit ließen, Ihnen meine Ansichten ausführlicher mitzutheilcn, so werde ich etivas weiter ausholen. Wesen und Bedeutung einer Sache werden häufig darum unklar aufgefaßt, weil man übcrsiehet, daß der betreffende Gegenstand an sich Ausfluß einer Idee oder einer Thatsache ist, von welcher man sich erst ein ganz klares Bild verschafft haben muß, che man die daraus entwickelte Folgerung richtig zu beurtheilen im Stande ist. — Nun ist jüdische Wissenschaft und Literatur Ausfluß des Judenthums. — Worin bestehet aber das Wesen des Judenthums? — In welcher unzertrennlichen Beziehung stehet dasselbe zu einer unversiegbaren Ausströmung in Worten und Schriften? — Dies sind die Fragen, deren Beantwortung vorerst erforderlich wird. Betrachten wir die vier verschiedenen hauptsächlichsten Modalitäten der Auffassung des Höheren und Göttlichen bei ganzen Völkerschaften oder Gesammtmassen, das Heidenthum, das Christenthum, den Islam, das Judenthum, so wird sich, je nach Maßgabe ihres Wesens, auch eine specifische Verschiedenheit in ihren Manifestirungen oder Kundgebungen wahrueh men lassen. Das Heidenthum nimmt die Materie zum Ausgangspunkte. Die Gottheit ist ihm etwas Körperliches, Anschauliches oder Tastbares, das es sich als Fetisch, als Himmelskörper, als Thier- oder Menschenbild ftstznhälten sucht. Ist für ihn das Höchste innerhalb der Natur enthalten, so kann auch sein Ziel- und Strebepunkt über diese Schranke, über Beförderung natürlichen, materiellen Wohlseins, nicht hinausgchen. Auch im Jenseits waren es dieselben irdischen Freuden, die der Schatten wieder antraf. Jede Stadt, jedes Land, jedes Volk hatte eigne Gottheiten; ein universelles geistiges Band umschlang die Menschheit nicht. — Das kolossale klassische Schriftenthum, das wir heidnischen Völkern verdanken, ist die geistige Ausbeute jener großartigen griechisch-römischen Individualitäten und Nationalitäten, nicht ihrer Rcligionslehren, wenn auch religiöse Mythen, gleichsam als belebte Plastik, ihren Widerhall darin fanden. Homer's und Virgil's erhabne Poesien würden blos als Ausdruck religiöser Doktrinen des Alterthums, das geistige Interesse der späteren Generationen nicht haben fesseln können; Schilderung der Sitten